Friedrich Dürrenmatt – Der Besuch der alten Dame

OA: 1955
155 Seiten
ISBN: 978-3257230451
Inhalt:Im kleinen Städtchen Güllen schwängerte vor vierzig Jahren Alfred Ill Kläri Wäscher, die er dann sitzen ließ. Mittlerweile ist aus Kläri Wäscher die Multimillionärin Claire Zachanassian geworden. Als solche erscheint sie jetzt wieder in Güllen, um sich zu rächen. Sie bietet der Stadt 1 Milliarde, falls jemand Alfred tötet...
(Quelle: Amazon)Eigene Meinung:Dieses Schauspiel hat viele Facetten. Einerseits ist es sehr humorvoll, ja schon fast komisch, aber auf der anderen Seite ist es so makaber, dass es schon eher tragisch ist.
Das Hauptthema dieses Stückes ist Gerechtigkeit, denn ihr soll ja, im Gegenzug zu der äußerst großzügigen Geldspende, genüge getan werden.
„Der Besuch der alten Dame“ hat mir sehr gut gefallen, denn es ist ein Stück, welches trotz vielen zwinkernden Augen, sehr zum nachdenken anregt; unter anderem über die Frage, inwiefern man Gerechtigkeit wirklich konsequent einfordert. Es wird durch Dürrenmatt mehr als deutlich herausgestellt, dass diese Gerechtigkeit, welche auf den ersten Blick jeder Mensch möchte, doch sehr biegsam ist, wenn es um eigenen Interessen geht, welche gefährdet oder gewahrt werden können. Jeder ist sich selbst der Nächste und sobald es an die ureigenen Interessen geht, kann die Gerechtigkeit sehr schnell auf den zweiten Platz rücken, um den eigenen bequemen Lebensweg zu ebnen, auf dem auch Korruption ihren Platz findet. Natürlich ist die Handlung und vor allem die Vollstreckung des „Urteils“, äußerst übertrieben dargestellt, aber es wirft doch die Frage auf, wie weit ein Mensch zu gehen bereit ist, wenn es ihm nutzt und inwiefern dann Moral und Gerechtigkeit hintenangestellt werden und jene sogar mit einem Kapitalverbrechen wiederhergestellt werden darf.

Tina