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Autor Thema: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray  (Gelesen 13496 mal)

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #75 am: 04. November 2008, 20:47:58 »

Bitte, gerne! Ich kenne Ben Barnes nicht, aber vom Aussehen find ich ihn als Dorian Gray schon mal gut. Aber Colin Firth als Lord Henry ist meiner Meinung nach Idealbesetzung. :klatschen:
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stefanie_j_h

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #76 am: 05. November 2008, 00:14:46 »

Bitte, gerne! Ich kenne Ben Barnes nicht, aber vom Aussehen find ich ihn als Dorian Gray schon mal gut. Aber Colin Firth als Lord Henry ist meiner Meinung nach Idealbesetzung. :klatschen:

Ich finde die beiden auch sehr passend. Leider habe ich das Buch noch nicht fertig gelesen, 3 Anläufe und immer irgendwie die Lust verloren, ich weiß nicht einmal, an was es liegt, denn der Anfang gefällt mir jedes Mal wieder sehr gut. Der Film ist ja dann ein Anreiz, es ein viertes Mal zu versuchen  :smile:
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Mira

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #77 am: 05. November 2008, 14:45:04 »

Hallo,

um das Buch schleiche ich auch schon eine Weile drum herum und eigentlich nur, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich es auf Englisch oder doch besser auf Deutsch lesen sollte. Ich habe mal ein, zwei kurze Komödien und auch Kindergeschichten (in wie weit die bearbeitet waren, weiß ich nicht) von Wilde auf Englisch gelesen, damit kam ich gut zurecht. Ist Dorian ähnlich leicht zu lesen?
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Stephi

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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #78 am: 04. September 2009, 00:11:52 »

Dorian Gray ist ein junger, reicher und mit außerordentlicher Schönheit gesegneter Mann, der soziale Kontakte pflegt und eine anerkannte Persönlichkeit der Gesellschaft ist. Für den Maler Basil Hallward ist er eine Inspiration, für Lord Henry Wotton ein Forschungsobjekt. Lord Henry beschäftigt sich mit philosophischen Fragen zu menschlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen und ist schnell begeistert von Dorians Schönheit und Unschuldigkeit. Zunächst nur unterschwellig, mit der Zeit jedoch immer deutlicher, beeinflusst er Dorian in seinem Denken und seiner Einstellung zu Schönheit bzw. Ästhetik. Die Folgen dieser Beeinflussung scheinen zunächst harmlos zu sein, steigern sich jedoch immer weiter und führen schließlich zu unerwarteten und brutalen Handlungen.

Mir fällt es ziemlich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch zusammenzufassen. Grundsätzlich bin ich absolut beeindruckt und auch sehr begeistert. Die Beschreibungen des charakterlichen Verfalls Dorians sind sehr anschaulich, sowohl aus philosophischer als auch aus psychologischer Sicht interessant und gleichermaßen abstoßend und faszinierend.

Besonders spannend ist für mich die Macht, die Henry über Dorian – vielleicht zum Teil auch unbewusst – ausübt. Der Wunsch nach ewiger Schönheit verfestigt sich immer mehr, was aber vermutlich auch mit der ständigen Betonung derselben zusammenhängt. Dorian scheint von allen Leuten nur über sein Äußeres definiert zu werden und vor diesem Hintergrund erscheint seine Manie rückwirkend betrachtet relativ verständlich.
Seine Versessenheit äußert sich auf mehreren Ebenen, am deutlichsten jedoch anhand des Portaits, welches Basil von ihm gemalt hat und was sich an seiner Stelle mit der Zeit verändert, die Züge des Alters und des verdorbenen Charakters Dorians widerspiegelt.

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Natürlich wird seine Entwicklung permanent beschrieben, so dass sie für den Leser nachvollziehbar ist, aber es gibt im Verlauf des Buches mehrere Zeitsprünge, die zum Teil mehrere Jahre umfassen. Dies bietet den großen Vorteil, dass die Handlung sich nicht in elendig langen Beschreibungen unwichtiger Sachverhalte verliert und sorgt außerdem dafür, dass die Spannung aufrecht erhalten bleibt. Es ist immer wieder überraschend, welche Veränderungen während des Zeitsprungs mit Dorian geschehen sind, so dass unter anderem auch das Ende sehr überraschend ist.

Lediglich eine einzige Passage, nämlich fast das gesamte 11. Kapitel, weist Längen auf, die das Lesen kurzzeitig recht zäh gestalten, allerdings handelt es sich dabei in meinen Augen um den einzigen und somit verschmerzbaren Kritikpunkt.

Hinsichtlich der Charaktere bleibt abschließend festzuhalten, dass sich meine persönlichen Sympathien im Laufe des Buches einmal umgekehrt haben. Fand ich Henry anfangs noch furchtbar arrogant und Dorian liebenswert, hat sich dies bis zum Ende verändert. Einzig Basil war immer gleichermaßen sympathisch und bemitleidenswert.

Insgesamt empfehle ich das Buch in jedem Fall. Allerdings habe ich es bis etwa zur Hälfte als relativ schwierig zu lesen empfunden und selten mehr als zwei Kapitel am Stück geschafft. Es gibt einfach zu viele interessante Aspekte, über die man während des Lesens ins Grübeln gerät und die zumindest bei mir nach Lesepausen verlangt haben. Dies hat sich jedoch insgesamt durchaus positiv auf meine Meinung zu dem Buch ausgewirkt. Selten habe ich während des Lesens so viel über das Geschehen nachdenken müssen.
Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal sein, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich denke, dass mit jedem Lesen andere interessante Aspekte in den Vordergrund rücken und das Buch durchaus noch viele Überraschungen bereithält.

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Antw:Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #79 am: 04. September 2009, 13:26:11 »

Ich weiß zwar nicht, obs im Netz schon Ausschnitte gibt, aber zumindest gibt es einen Eintrag in der IMDB: http://www.imdb.com/title/tt1235124/

Dort gibt es mittlerweile auch den Trailer zum Film.  :klatschen: Ich kann´s kaum abwarten, das wird toll! Hoffentlich ist bald raus, wann er in Deutschland in die Kinos kommt.
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Zwea

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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #80 am: 06. September 2009, 12:01:59 »

ich habe es nur bis zur Hälfte gelesen, ich fand das nicht gerade spannend und sehr anstrengend, nicht vom schreibstill sondern vom Inhalt ich lese zwar immer das es am Anfang so ist und dann wieder besser wird, aber ich kann mich einfach nicht durch ringen es zu ende zu lesen.....
ich werde mal versuchen es bis Anfang 2010  zu beenden.....
lg
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schokotimmi

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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #81 am: 11. September 2009, 20:19:02 »

Hallo,

ich habe das Buch im Zuge einer Leserunde hier genossen und das war wirklich gut.
Die Geschichte wurde ja schon mehrfach kurz erläutert, darum gehe ich direkt zu meinen Eindrücken über.

Dorian selbst mochte ich eigentlich schon in der Geschichte, seine Persönlichkeit war grausam faszinierend dargestellt und geschickt arrangiert. Basil war für mich ein Träumer, Künstler, etwas der Welt entrückt, doch sein Schicksal hat mich berührt. Henry mochte ich von Anfang an nicht und ich glaube er selbst hat die Folgen seines Einflusses nie begriffen.
Oscar Wilde stellt hier für mich die Frage nach dem Sinn und Steben im Leben - ist Schönheit und Jugend wirklich DAS Ideal, nach dem sich alles zu richten hat. Ein besonderer Aspekt der so gut auch in unsere heutige Zeit passt, wo es nur darum geht, jung, fit und schön zu sein. Doch wo bleibt dann der Charakter des Menschen.

Insgesamt für mich ein sehr bewegendes Buch mit dem ich mich bestimmt nochmal beschäftigen werde. Ich glaube beim ersten Lesen werden einem nicht alle Aspekte und Züge der Geschichte klar.

Viele Grüße
schokotimmi
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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #82 am: 24. November 2009, 16:29:01 »

Anscheinend kommt die Verfilmung von Dorian Gray am 18. März 2010 in die Kinos (Quelle)
Ich kann ja jetzt schon kaum noch schlafen!  :breitgrins:

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Aredhel

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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #83 am: 24. November 2009, 18:26:07 »

Ich habe das Buch vor einigen Jahren im englischen Original gelesen, ist leider viel zu lange her. Das war glaube ich mein zweites oder drittes englisches Buch überhaupt, da war ich wohl so 15 oder 16.

Aber da ich heute meinen Lohn + Weihnachtsgeld auf dem Konto hatte, hab ich sowieso eine Buchgroßbestellung gemacht und eine hübsche Ausgabe von "Dorian Gray" gleich mitbestellt  :breitgrins:



Über den Film habe ich schon einiges gelesen und freue mich schon sehr darauf, davor werde ich aber bestimmt das Buch nochmal lesen   :zwinker:
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stefanie_j_h

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Antw:Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #84 am: 13. Dezember 2009, 15:31:04 »

Nachdem dieses tolle Buch viel zu lange auf meinem SuB lag, habe ich es dieses Jahr endlich gelesen. Schon mehrmals hatte ich damit angefangen, aber ich bin nie über die ersten Kapitel hinausgekommen, obwohl diese mir jedes Mal wieder sehr gut gefallen haben. Dank der Leserunde habe ich es diesmal aber durchgehalten.

Es ist zwar jetzt schon wieder etwas her, dass ich das Buch gelesen habe, aber es hat mich nachhaltig begeistert und ich denke noch gerne daran zurück. Sehr faszinierend fand ich die ganzen philosophischen Gespräche und Gedanken, die auch den Leser zum Nachdenken anregen und ganz neue Blickwinkel auf verschiedene Dinge eröffnen.

Die drei Hauptpersonen, Lord Henry, Basil und Dorian, fand ich von Anfang an sehr interessant, man kann sehr gut nachvollziehen und verfolgen, wie Dorian sich unter dem Einfluss Lord Henrys verändert und wie auch dieser selbst sich weiterentwickelt. Keine der Figuren wirkte besonders sympathisch auf mich und trotzdem konnte ich ab einem gewissen Zeitpunkt das Buch kaum mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Kapitel 11, das einen zentralen Punkt des Buches darstellt und sehr lange und ausführlich aufzählt, mit was Dorian sich beschäftigt und für was er sich interessiert, war leider etwas langweilig und anstrengend zu lesen, ansonsten hat mir das Buch aber wirklich ausnehmend gut gefallen.

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Marlino

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #85 am: 22. Mai 2010, 13:42:07 »

Ich habe dieses Buch jetzt auch einmal im Urlaub gelesen und fand es recht interessant. Es gibt diese eine Passage im Buch, auf das schon meine Vorredner hin gewiesen haben, wo beschrieben wird, wie sich Dorian Gray mit irgendwelchen Edelsteinen, historischen Musikinstrumenten und ähnlichem sehr teurem Schrödel beschäftigt, was ich sehr langweilig finde und den Gang der Handlung sehr lähmt und das ich nur überflogen habe, da ich dies wiegesagt langweilig und preziös fand. Ansonsten ist das Buch großartig und aus einem Guß.

Dieses Buch gehört sicher zu den Klassikern in der Darstellung dekadenter Lebensformen. Dekadenz in dem Sinne, daß die Ästhetik zum allein Seligmachenden gehört, was im Grunde alles andere, insbesondere die moralische Empfindung aber auch die Liebesfähigkeit vollkommen absorbiert. In diesem Sinne gewinnt Wert all das was irgendwie "schön" ist und das ganze Leben wird nur noch nach der "Schönheit" beurteilt. Das scheinen mir allerdings Gedanken zu sein, die irgendwie in der Luft der Zeit des späten 19. Jahrhunderts zu liegen scheinen, auch bei Nietzsche wird man wohl ähnliche Überlegungen finden.

Wie bei Nietzsche etwa findet sich bei Dorian Gray eine gewisse Vergötterung der Renaissance, die ja durchaus einen kulturellen Aufschwung in der abendländischen Kulturgeschichte bedeutet, anderseits aber auch durch Gesetzlosigkeit und Inhumanität sich auszeichnet. Diesen Bezug zur Renaissance findet sich etwa noch in dem Film "Der dritte Mann", wo der amoralische Protagonist sein inhumanes Tun mit einem Bezug zur Renaissance quasi rechtfertigt.

Das beinhaltet natürlich, daß weder Dorian Gray noch sein geistiger Mentor Lord Henry sonderlich sympathische Personen sind, wobei mir Lord Henry dagegen eher ein Maulheld zu sein scheint und man dabei selten weiß, wie ernst er es mit seinen paradoxen Thesen eigentlich meint. Dorian Gray ist aber der, der den immoralistischen Ästhetizismus Lord Henry dann wirklich in die Tat umsetzt. Man muß dabei fast sagen, daß diese Beziehung von Lord Henry und Dorian Gray das ist, was das eigentlich unheilvolle der Konstellation ausmacht. Lord Henry für sich wäre vielleicht nur ein geistreicher Provokateur und Dorian Gray ein vielleicht etwas gefühlskalter Snob - für sich eigentlich gar nicht gefährlich, aber in dieser unheilvollen Beziehung wird Dorian Gray zum wie ich finde anderseits dann auch wieder erstaunlich naiven Werkzeug von Lord Henrys Weltanschauungen.

Wie auch immer: Ein sehr interessantes Buch, das ich gerne gelesen habe.

Gruß Martin
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Breña

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #86 am: 29. September 2010, 23:11:11 »

Ein Klassiker? Definitiv. Zeitlos? Ja. Aber gefallen hat er mir nicht.

Der Grundgedanke ist durchaus interessant, die Geschichte als solche auch, aber dieses ausufernde Drumherum und die Tatsache, dass ich alle Protagonisten entweder abstoßend oder dämlich fand, haben mir das Buch verleidet. So, wie manche von euch das Buch nicht aus der Hand legen konnten, so musste ich mich überwinden, weiterzulesen.

Interessant fand ich auch Wildes Darstellung der damaligen gehobenen Gesellschaft und seine nicht verhüllte Kritik daran. Vor dem Hintergrund, dass Manieren höher gehandelt werden als Moral und der äußere Schein alles ist, sind Lord Henrys Einflüsterungen und Dorians Entwicklung nur folgerichtig. Auch an den Aphorismen, die zahlreich im Text zu finden sind, hatte ich Vergnügen, insgesamt wurde es allerdings irgendwann zu viel.

Die zweite Hälfte war wesentlich schöner zu lesen, da Dorian Gray dann langsam in Schwierigkeiten gerät und ich nur zu gerne von seinem Untergang las *fieslach*

Das fand ich auch. ;) Nicht nur, weil ich mich an Dorians Paranoia ergötzen konnte, sondern auch, weil insgesamt mehr Handlung und weniger Geschwafel die Lesbarkeit für mich deutlich erhöhten.

ich weiß nur, als ich das buch gelesen habe war ich irgendwie schockiert

Mich hat das Buch in keinster Weise schockiert, mitgerissen oder auch nur berührt, weder Dorians Entwicklung noch die Schicksale der ihn umgebenden Menschen. Zwar habe ich manches Mal widerwillig den Kopf geschüttelt, mehr aber auch nicht.

2ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Gelesen habe ich das Buch übrigens in einer Leserunde, und nur der ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass ich durchgehalten habe.

Viele Grüße
Breña
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Gronauer

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #87 am: 30. September 2010, 14:02:42 »

Das Bildnis des Dorian Gray gehört zu den Büchern, die ich nicht zu Ende gebracht habe, und das will etwas heißen.

Zitat
Das Warten wurde unerträglich. Die Zeit schien ihm mit bleiernen Füßen zu schleichen, während er von ungeheuren Stürmen dem schroffen Grat eines schwarzen Abgrunds zugeschleudert wurde. Er wußte, was dieses Warten für ihn bedeutete; er sah es und drückte schaudernd mit seinen feuchten Händen die brennenden Lider zusammen, als wolle er dem Hirn die Sehkraft nehmen und die Augäpfel in ihre Höhle sperren. Es war umsonst. Das Hirn hatte seine eigene Nahrung, von der es sich mästete, und die Phantasie, die von der Angst ins Groteske gesteigert war, drehte und wand sich vor Schmerz wie ein lebendes Wesen, tanzte wie eine schnöde Puppe in einem Schaukasten und grinste durch bewegliche Masken hindurch. Dann blieb plötzlich die Zeit für ihn stehn. Ja, die blinde, langsam atmende Zeit rührte sich nicht mehr, und, da sie tot war, jagten entsetzliche Gedanken mit furchtbarer Schnelligkeit über ihn hin und wühlten eine gräßliche Zukunft aus ihrem Grab und zeigten sie ihm. Er starrte darauf, und ihre Entsetzlichkeit machte ihn zu Stein.

Es sind Absätze wie dieser, die mich jedesmal anwidern. Was für ein Wortgeschepper, das hier über dem Leser niedergeht! Unerträglich, ungeheuer, schroff, schwarz, schaudernd, brennend, entsetzlich, furchtbar, gräßlich - und zum Abschluss nochmals eine Entsetzlichkeit, alles in das Tollhaus dieser wenigen Zeilen gesperrt. Ein verantwortungsvoller Lektor hätte  Herrn Wilde vielleicht mal auf ein Glas Port und eine Zigarette beiseite nehmen und ihm solche Kapriolen ausreden sollen. So aber zieht sich das durch das ganze Buch, und diese außer Rand und Band geratene Sprache ruiniert eine ansonsten schön ausgesponnene Fabel. Dorian Gray ist für mich eines der Bücher, die durch ihre Sprache verdorben wurden.
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Stormy

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #88 am: 30. September 2010, 14:15:22 »

Das Bildnis des Dorian Gray gehört zu den Büchern, die ich nicht zu Ende gebracht habe, und das will etwas heißen.

Zitat
Das Warten wurde unerträglich. Die Zeit schien ihm mit bleiernen Füßen zu schleichen, während er von ungeheuren Stürmen dem schroffen Grat eines schwarzen Abgrunds zugeschleudert wurde. Er wußte, was dieses Warten für ihn bedeutete; er sah es und drückte schaudernd mit seinen feuchten Händen die brennenden Lider zusammen, als wolle er dem Hirn die Sehkraft nehmen und die Augäpfel in ihre Höhle sperren. Es war umsonst. Das Hirn hatte seine eigene Nahrung, von der es sich mästete, und die Phantasie, die von der Angst ins Groteske gesteigert war, drehte und wand sich vor Schmerz wie ein lebendes Wesen, tanzte wie eine schnöde Puppe in einem Schaukasten und grinste durch bewegliche Masken hindurch. Dann blieb plötzlich die Zeit für ihn stehn. Ja, die blinde, langsam atmende Zeit rührte sich nicht mehr, und, da sie tot war, jagten entsetzliche Gedanken mit furchtbarer Schnelligkeit über ihn hin und wühlten eine gräßliche Zukunft aus ihrem Grab und zeigten sie ihm. Er starrte darauf, und ihre Entsetzlichkeit machte ihn zu Stein.

Es sind Absätze wie dieser, die mich jedesmal anwidern. Was für ein Wortgeschepper, das hier über dem Leser niedergeht! Unerträglich, ungeheuer, schroff, schwarz, schaudernd, brennend, entsetzlich, furchtbar, gräßlich - und zum Abschluss nochmals eine Entsetzlichkeit, alles in das Tollhaus dieser wenigen Zeilen gesperrt. Ein verantwortungsvoller Lektor hätte  Herrn Wilde vielleicht mal auf ein Glas Port und eine Zigarette beiseite nehmen und ihm solche Kapriolen ausreden sollen. So aber zieht sich das durch das ganze Buch, und diese außer Rand und Band geratene Sprache ruiniert eine ansonsten schön ausgesponnene Fabel. Dorian Gray ist für mich eines der Bücher, die durch ihre Sprache verdorben wurden.

Da kommt mir wieder einmal Lestat de Lioncourt in den Sinn: "Reden Sie nicht so gestelzt!" (Anne Rice, Blackwood Farm). Aber ich finde es ist gerade das, dieses furchtbar gestelzte Wortgeschepper wie du so schön sagst, was Oscar Wilde ausmacht (nicht nur bei Dorian). Er spinnt ja teilweise auch total gestochene Sätze zusammen. Das ist zwar in dem Moment total anstrengend, aber letztendlich passt es eben doch irgendwie. Nun ist es natürlich Geschmackssache: Wenn man gerne eine einfache, eingägige Sprache liest, ist das furchtbar. Hat man aber gern Ausschweifungen sprachlicher Art wird man belustigt davon sein.

Mir hat das Buch extrem gefallen und tut es nach wie vor, da kann ich gewisse Geduldsporben, auf die der Autor den Leser da teilweise stellt, verzeihen - wie auch die Beschreibung von Dorians Sammelanfällen, die irgendwo in der LR erwähnt wurde.

Es kommt dabei auch auf den Autor an, da gibt es andere, deren Bücher würde ich gandenlos weglegen, wenn sie mit sowas antanzen.  :zwinker:
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Gronauer

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #89 am: 30. September 2010, 14:55:23 »

@ Stormcrow:

Die von mir beispielhaft zitierte Stelle ist einfach undiszipliniert geschrieben. Für ein Stilmittel halte ich das nicht. Es ist schwerer, viel schwerer, diese Stelle so zu formulieren, dass sie mit wenigen scharfen Bildern, präzisen Metaphern und ohne den überbordenden Ballast an Adjektiven das Entsetzen des Helden glaubhaft erzählen kann. Wenn das gelingt, ist die Wirkung beim Leser aber auch viel nachhaltiger. Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen Blaskapelle und Kammermusik.

Das alles erscheint mir umso ärgerlicher, gerade weil Das Bildnis des Dorian Gray für eine subtile sprachliche Umsetzung geradezu vorherbestimmt ist. Der Plot ist grundsätzlich anspruchsvoll, er enthält eine Menge interessanter Themen und Fragestellungen, man kann ihn als Schauergeschichte genauso lesen wie als Gesellschaftsbild einer bestimmten Epoche, als zeitlose Auseinandersetzung mit Eitelkeit, Alter und Tod... Deshalb finde ich, dass er diese Umsetzung nicht verdient hatte.

Mark Twain ließ seinen "Knallkopf Wilson" folgendes notieren:

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Anmerkung zu den Adjektiven: wenn du dir nicht sicher bist, lasse sie weg.

Recht hat er!
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