José Maria Eça de QueirozVetter Basilio (O primo Basílio, erschienen 1878)
Der AutorJosé Maria Eça de Queiroz (1845 – 1900) zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern Portugals. Er war zunächst Rechtsanwalt in Lissabon und später Konsul in Kuba, England und Frankreich. Eça nahm in seinen Werken Einflüsse der Romantik, des Realismus und des Naturalismus auf. Von Kritikern wurde er bald als „portugiesischer Zola“ bezeichnet. In seinen Werken widmet er sich mit bisweilen bissigem Sarkasmus der Kritik an der Gesellschaft, besonders dem ererbten oder finanziellen Adel, dem Klerus und der Politik, und prangert immer wieder die dort vorherrschende Doppelmoral an.
Mit
Vetter Basilio erlangte Eça Weltruhm.
InhaltLissabon, im beginnenden Frühling des Jahres 18… Die junge Luiza, seit einigen Jahren glücklich mit einem gut situierten Beamten verheiratet, trifft überraschend ihre erste große Liebe wieder: ihren Vetter Basilio. Als Luizas Gatte in eine Provinz abberufen wird, zögert der lebenslustige Basilio nicht lange, die alte Leidenschaft wieder anzukurbeln. Luizas Hausmädchen Juliana, die nach höherem strebt, sieht ihre Chance gekommen, von dem Verhältnis zu profitieren, und bringt Luiza in eine prekäre Lage.
Mein EindruckStilistisch ist das Buch teilweise fast modern geschrieben. Kurze Sätze und schnelle Dialoge gestalten die Handlung straff und streckenweise rasant. Lange Abschweifungen sind nicht zu finden, Eça beschränkt sich auf die Schilderung von Personen und Ereignissen, die tatsächlich eine Rolle spielen. Er beschreibt auch intime Szenen viel offener, als ich es von seinen Zeitgenossen kenne. Ausführliche Passagen kommen deshalb aber nicht zu kurz. Die Protagonisten werden lebendig gezeichnet und entwickeln sich wie die Handlung stetig weiter, so dass das Buch keine Minute langweilig wird.
Im Mittelpunkt stehen Luiza und Juliana. Während Luiza ohne Sorgen und Verpflichtungen in den Tag hineinlebt, muss Juliana für ihren Lebensunterhalt arbeiten, und das unter Umständen, die ihr nicht gefallen. Aus eigener Kraft und mit ehrlichen Mitteln sieht sie keine Möglichkeit, ihrer Tretmühle zu entrinnen, daher ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf, als sie dem Verhältnis ihrer Dienstherrin auf die Schliche kommt. Es entsteht ein temporeicher und Nerven zermürbender Psychokrieg, dessen Siegerin nicht absehbar ist.
Luiza ist nicht fehlerfrei, ganz im Gegenteil, sie ist wankelmütig, unsicher und impulsiv. Ihre Naivität macht sie zu einem hilflosen Opfer der Umstände. Sie hasst die „geerbte“ Bedienstete aufs Äußerste und lässt sie das auch spüren – wahrscheinlich nicht unüblich zu dieser Zeit - doch gerade das macht sie menschlich und lebensnah. Die dreiste Juliana wird ebenfalls sehr realistisch dargestellt und macht sich mit ihrer Niederträchtigkeit leicht zur Zielscheibe der negativen Gefühle des Lesers. Die Männer in dieser Erzählung glänzen allesamt nicht besonders mit ihren Eigenschaften. Man möge mir nachsehen, dass ich sie nicht eingehender beschreibe (besser selbst lesen

).
Von einer „Satire auf die romantische Liebe“, wie das Buch unter anderem bezeichnet wird, konnte ich hier nicht viel spüren. Es ist eine Liebesgeschichte, die vom Streben nach Glück und Besitz erzählt, aber auch vom Verzeihen und Egoismus handelt, und mehr oder weniger frei von kitschigen Floskeln oder Spitzen jedweder Art ist. Für mich ein Buch, das einen tiefen Eindruck hinterlassen hat und mir deshalb

wert ist.