So, hier kommt auch meine Rezi. Ich habe das Buch in einer Leserunde mit yanni und Cuddles gelesen und das war sehr nett.
James Meek: Die einsamen Schrecken der LiebeInhalt:In dem sibirischen Dorf Jasyk kreuzen sich im Oktober 1919 die Lebenswege mehrerer Personen: Anna Petrowna mit ihrem Sohn, deren Mann angeblich im ersten Weltkrieg gefallen ist. Mutz, ein Leutnant der tschechischen Legion, die während des Bürgerkrieges in Jasyk stationiert ist, und Matula, sein Hauptmann. Dann gibt es noch Balaschow, der in Jasyk lebt und einer Kastratensekte angehört. Die Lage eskaliert, als der rätselhafte Samarin, offenbar ein entflohener politischer Gefangener aus einem sibirischen Lager, in Jasyk eintrifft und gleichzeitig die Roten sich dem Dorf nähern, um die tschechische Legion anzugreifen...
Meine Meinung:Der Inhalt des Buches läßt sich schwer zusammenfassen, der Klappentext (den ich hier bewußt nicht wiedergebe) trifft absolut nicht das Wesentliche des Geschehens im Buch. Zudem heißt es im Klappentext, dieses Buch sei
eine abgründige Liebesgeschichte in der Tradition der großen russischen Romane des 19. Jahrhunderts. Zutreffend ist davon am ehesten „abgründig“.
Allerdings habe ich die Handlung, besonders am Anfang, als sehr verwirrend und chaotisch empfunden. Der Autor versucht tatsächlich, den Stil der russischen Schriftsteller nachzuahmen, aber dies gelingt ihm nur ansatzweise und was dem Buch entscheidend fehlt, ist die Tiefe der echten russischen Romane.
Gerade am Anfang häufen sich im Buch ausführlich beschriebene und meiner Meinung nach sinnlose Brutalitäten. Zwar wurde das gegen Mitte/Ende des Buches weniger, auch die Handlung entwirrte sich, Handlungsfäden liefen zusammen und Rätsel wurden gelöst. Am Ende gibt es sogar so etwas wie ein teilweises Happy End (für einige Personen).
Viele Personen haben extreme Ansichten und sind nicht immer nachvollziehbar geschildert, allen voran Anna Petrowna, die mir im Laufe des Buches immer unverständlicher wurde. Am vielschichtigsten (und sympathischsten) wurde noch der tschechische Leutnant Mutz dargestellt, auch Balaschow und Samarin sind zwar interessant, rätselhaft, aber nicht immer nachvollziehbar.
Die Liebe, oder was verschiedene Personen für Liebe halten, was sie aus Liebe tun oder entgegen der Liebe für ihre Pflicht halten, spielt tatsächlich eine Rolle im Buch.
Immer wieder taucht die Ansicht auf, daß Sex etwas Böses und Schmutziges, den Menschen Verderbendes und zu sündigem Handeln Verleitendes ist. Für mich arbeitet der Autor nicht klar genug eine Stellungnahme, oder eine Entwicklung der Personen zu diesem Thema heraus - mit Ausnahme von Balaschow (ansatzweise). Im Gegensatz zu den bereits erwähnten russischen Romanen kratzt James Meek nur an der Oberfläche der wirklich wichtigen menschlichen Fragen. Es genügt eben nicht, eine Ansammlung von mehr oder weniger extremen Sonderlingen in einem Dorf, in dem die meisten Einwohner einer kuriosen Sekte angehören, aufeinander loszulassen und das Ganze mit ein bißchen Kannibalismus zu garnieren.
Meine Bewertung: Mit etwas gutem Willen
