KurzbeschreibungTeniente Mario Conde kuriert seinen Kater von der Silvesterfeier aus, als er von seinem Chef den Auftrag erhält, ein verschwundenes hohes Tier aus der kubanischen Nomenklatura zu suchen. Bei dem Verschwundenen handelt es sich um Rafael Monrín, einen Schulkollegen. Schlagartig kommen Conde die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit zurück: Der Mann mi der blütenweißen Weste, der zuverlässige Genosse, war schon damals ein Musterschüler, der immer das bekam, was er wollte - auch Condes Freundin Tamara. Aber in Rafael Moríns perfektem Leben gib es ein paar verdächtige Momente, die genauer zu untersuchen sich lohnt.
Meine EindrückeEin perfektes Leben ist genau das, was Rafael Morín seit seiner Kindheit führt: Schulsprecher, Klassenbester, immer engagiert, immer die richtigen Worte parat und stets die richtige Geste seinen Angestellten, Freunden und Bekannten gegenüber. Als Morín plötzlich verschwindet, kann keiner dem Ermittler Mario Conde eine Erklärung liefern. So perfekt ist dieser Mann, dass es einfach keinen Grund geben kann, ihm etwas anzutun. Wäre da nicht Moríns Posten: Er ist ein hoher Kader im Industrieministerium, ein Posten, der vielleicht doch einen schwarzen Fleck auf der Weste hinterlassen kann. Conde gerät bei den Ermittlungen in arge Bedrängnis, denn ausgerechnet Moríns Ehefrau Tamara war während der Schulzeit Condes absolute Traumfrau, ein Traum, den er bis heute nicht vergessen hat.
Teniente Mario Conde taucht in diesem Buch tief in seine Vergangenheit; der Kriminalfall wird mehr zum Aufhänger und Spiegel für die cubanische Mentalität und Kultur, als dass er das Buch dominiert. Mit Conde geht es in Rückblicken wieder in die Schulzeit oder zu freiwilligen Arbeitseinsätzen - und immer dabei: Morín, der Tamara im Arm halten darf, der die Jugendlichen auf die cubanischen Ideale einschwört und Disziplin und Respekt für die Revolution anmahnt. Morín hat scheinbar alles richtig gemacht. Der Sohn aus armem Haus heiratet die Diplomatentochter und öffnet sich geschickt die Türen zum gesellschaftlichen Aufstieg. Sogar Auslandsreisen sind drin, während Conde und seine Freunde wie alle anderen den Alltag des kommunistischen Cuba meistern müssen.
Conde kann zutiefst melancholisch werden. Er und seine Freunde sind einfühlsam beschrieben und die Mischung aus Lebenslust und Melancholie ist Teil der gesamten Gesellschaft, die Padura beschreibt. Die Personen im Buch spiegeln alle jeweils eine Facette des Landes, das ein gesellschaftliches Ideal erfüllen soll und dafür gleichzeitig einen kaum zu bewältigenden Spagat meistern muss. Padura beurteilt diese Traumwelt nie, überlässt es aber den Lesern mit der geschickten Auswahl der Charaktere, sich ihren Teil dabei zu denken.
Wie illy will auch ich schauen, ob ich nicht noch die anderen drei Bände der Serie lesen kann.
