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Autor Thema: Robert Harris - Imperium  (Gelesen 1320 mal)

Geli

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Robert Harris - Imperium
« am: 13. August 2007, 09:52:19 »

"Ein unbekannter junger Anwalt - hochintelligent, sensibel und enorm ehrgeizig - betritt das Zentrum der Macht. Er hat nur ein Ziel: Er will nach ganz oben. Der Fall eines Kunstsammlers, der vor der Willkür eines skrupellosen und gierigen Gouverneurs fliehen muss, kommt ihm da gerade recht. Der Gouverneur hat einflussreiche und gefährliche Freunde im Senat, und sollte der Anwalt den Fall gewinnen, würde er die gesamte alte Machtclique zerschlagen. An die Niederlage wagt er nicht zu denken, sie könnte ihn das Leben kosten. Eine einzige Rede kann über sein Schicksal und die Zukunft einer Weltmacht entscheiden, doch seine gefährlichste Waffe ist das Wort. Die Weltmacht am Scheideweg ist Rom. Der Name des jungen Anwalts ist Marcus Tullius Cicero, Außenseiter, Philosoph, brillanter Redner und der erste Politiker modernen Stils.

Ein topaktueller Roman im historischen Gewand."


"Pompeji" hat mir ziemlich gut gefallen abgesehen von den üblichen Plattitüden wegen der "Dekadenz der Roemer". Deshalb hatte ich mich wirklich gefreut auf diesen Roman. Ciceros Leben aus der Sicht eines seiner vermutlich wichtigsten Vertrauten zu schildern, ist eine fantastische Idee. Aber leider will dabei keine Spannung aufkommen. Der Roman ist so behäbig erzaehlt, dass ich manchmal Mühe hatte, ihn wieder zur Hand zu nehmen. Gerade der alte Tiro hätte mehr Empathie für seinen früheren Herrn gezeigt. Deshalb wirkt das Ganze nicht authentisch.
Auch "Imperium" ist eigentlich eine Parabel auf heutige Zustände. Harris hält Amerikanern und Briten seit Vaterland gerne den Spiegel vor und das macht er inzwischen leider sehr penetrant, besonders wenn man die Quellen kennt. Damit es passt verdreht er sogar historische Fakten. ZB wurde man nicht in den Senat gewählt, sondern nach Ableistung eines höheren Amtes automatisch Mitglied -- Senatswahlen gibts allerdings in den USA und bei Harris hat der "römische" Senat auch genau die Funktion des US-Senats. Das ist sicherlich Absicht, aber mir gehen solche Verdrehungen ziemlich auf die Nerven.
Es wäre sicher spannender gewesen, wenn es Harris weniger um aktuelle Verhältnisse gegangen wäre. Es gibt genügend Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen Machtpolitik und den Zusammenhängen zwischen Juristerei und Politik damals und heute und gerade Cicero ist eine sehr interessante nistorische Figur, über den die Meinungen auch in der Forschung ja weit auseinandergehen. (In Haefs "Caesar" wird er zum machtgeilen Opportunisten, was dem realen Cicero sicherlich nicht gerecht wird) Deshalb vermisse ich auch eine sorgfältige Recherche. Nur was ins Konzept passte, wurde berücksichtigt, alles andere ignoriert.
Da der Roman bei aller Brisanz nicht sonderlich mitreissend geschrieben ist, bin ich doppelt enttäuscht. Das gilt vor allem fürs Original, weil ich die Übersetzung nur durchgeblättert habe, da ich kein Interesse hatte, den Roman nochmal zu lesen.

2ratten

Ich habs zwar schon letztes Jahr gelesen, aber das gilt sicher trotzdem :breitgrins:


EDIT
Hi, ich habe den Betreff geändert. LG Seychella
« Letzte Änderung: 14. August 2007, 05:26:03 von Seychella »
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Yklamyley

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Re: Robert Harris - Imperium
« Antwort #1 am: 13. Mai 2009, 21:54:39 »

Robert Harris - "Imperium"


Inhalt:
Der Sklave Tiro erzählt das Leben und Schaffen seines Meisters: Cicero. So werden wir zurückversetzt ins alte Rom, in der ausklingenden Republik. Der "homo novus" Cicero, der sich nicht durch Reichtum sondern einzig durch Redetalent durch den cursus honorum bis hin zum Konsul hocharbeitet, ist ein umsichtiger Politiker, den zu kritisieren Tiro sich selten erlaubt. Ciceros Leben, in dem er sich immer gegen die Aristokratie stellen muss, wird über den Prozess gegen Verres bis zum Antritt seiner Konsulschaft dargestellt.

Meine Meinung:
Ich liebe historische Romane, die in Rom spielen. Ein Grund dafür mag sein, dass ich mich in meinem 6 Jahre währenden Lateinunterricht durch einige der wichtigsten lateinischen Texte gekämpft habe, und so über ein relativ fundiertes Wissen über eben jene sowie über die zeitlichen Umstände verfüge. Dies tritt natürlich auch bei Cicero in Kraft, dessen Reden gegen Verres ich übersetzen durfte. Ich habe sogar, als es im Buch zu dieser Stelle kam, meine Cicero - Texte herausgesucht, mir aber leider doch nicht die Zeit genommen, sie mir genau anzusehen (um Latein fließend zu lesen haben meine Kenntnisse nie ausgereicht). Auch Catilina tritt im Text in Erscheinung, die Umstände seiner Verschwörung und Ciceros Reden gegen ihn hätten mich grundsätzlich sogar mehr interessiert als jene gegen Verres.
Tiro, der nebenbei eine Kurzschrift erfunden hat, um Ciceros Reden schneller mitschreiben zu können, stellt seinen Meister meist unkritisch, jedoch nie als rein positive Figur dar. Er erlaubt sich Zweifel, artikuliert diese jedoch meist nur unter der Betonung, dass Cicero dies nicht im Vorfeld habe wissen können. Dennoch bleibt die Figur des größten Redners der Antike (oder gibt es da andere Meinungen  :breitgrins:) nicht eindimensional: Auch wenn Tiro Ciceros Verhalten selten wertet (obwohl er doch gern früher freigelassen worden wäre), wird dieses durch seinen Bruder Quintus und seinen Cousin Lucullus kritisch in Augenschein genommen.

Gerade der alte Tiro hätte mehr Empathie für seinen früheren Herrn gezeigt. Deshalb wirkt das Ganze nicht authentisch.
Ich denke doch, dass Tiro als sehr empathisch dargestellt wird. Er leidet oft scheinbar mehr als Cicero selbst. Manchmal scheint es auch, als wären die Gefühle, die Cicero eigentlich haben sollte, von Tiro reflektiert und erlebt. Dies scheint mir aufgrund der Beziehung, die obwohl sie freundschaftlich ist, doch vom sozialen Unterschied geprägt wird, auch authentisch.  Natürlich ist das Buch nicht in dem Sinne authentisch, als dass es als echte Biographie Ciceros geschrieben vom echten Tiro (die es ja angeblich gegeben hat) durchgehen könnte. Aber Harris schreibt ja auch einen modernen Roman und versucht nur selten (in den Reden) den damals herrschenden Stil zu imitieren.

Auch "Imperium" ist eigentlich eine Parabel auf heutige Zustände. Harris hält Amerikanern und Briten seit Vaterland gerne den Spiegel vor und das macht er inzwischen leider sehr penetrant, besonders wenn man die Quellen kennt. Damit es passt verdreht er sogar historische Fakten. ZB wurde man nicht in den Senat gewählt, sondern nach Ableistung eines höheren Amtes automatisch Mitglied -- Senatswahlen gibts allerdings in den USA und bei Harris hat der "römische" Senat auch genau die Funktion des US-Senats. Das ist sicherlich Absicht, aber mir gehen solche Verdrehungen ziemlich auf die Nerven.
Es wäre sicher spannender gewesen, wenn es Harris weniger um aktuelle Verhältnisse gegangen wäre.
Dass dies so ist, habe ich erst durch deine Rezi erfahren. Ich bin jedoch froh, während des Lesens nichts darüber gewusst zu haben, es hätte mein Leseverhalten (und wahrscheinlich auch mein Lesevergnügen) doch sehr beeinflusst. Ohne Vorwissen ist mir nichts aufgefallen, von Penetranz kann ich dementsprechend nichts feststellen.  :zwinker: Es wäre interessant, mehr über diese Parallelen zu erfahren, weiß jemand etwas darüber?

Da der Roman bei aller Brisanz nicht sonderlich mitreissend geschrieben ist, bin ich doppelt enttäuscht.
Da kann ich dir überhaupt nicht zustimmen! Ich fand den Roman so mitreißend erzählt, dass ich mich nur schwer davon losreißen konnte. Das Flair stimmt, die Sprache ist unprätentiös und passt perfekt auf die zu erzählenden Ereignisse, jeder Schwulst und Kitsch wäre mir in dieser Hinsicht unerträglich!

Mir hat's gefallen, ich werde sicher wieder was von Harris lesen ("Fatherland" hört sich sehr interessant an...)!
5ratten
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- Erich Fried

Cuddles

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Re: Robert Harris - Imperium
« Antwort #2 am: 14. Mai 2009, 09:11:16 »

Eine tolle Rezi hast du da geschrieben, Yklamyley. :daumen:

Es ist schon schön, zu diesem Buch eine positive Gegenmeinung zu lesen! Meine Lektüre ist schon etwas her, deswegen kann ich nicht mehr viel dazu sagen außer dass ich es auch sehr mitreißend geschrieben fand. Und ja, ich bin auch lateingeschädigt, vielleicht liegt es daran. :zwinker: Ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Teile.

"Fatherland" kann ich dir sehr empfehlen, dazu habe ich sogar eine Rezi verbrochen: hier

Yklamyley

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Re: Robert Harris - Imperium
« Antwort #3 am: 14. Mai 2009, 09:48:44 »

Eine tolle Rezi hast du da geschrieben, Yklamyley. :daumen:
Dankeschön  :redface:

"Fatherland" kann ich dir sehr empfehlen, dazu habe ich sogar eine Rezi verbrochen: hier
Auf dem Wunschzettel steht es ja schon länger, jetzt rutscht es ein gutes Stück nach oben!  :zwinker:
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Re: Robert Harris - Imperium
« Antwort #4 am: 14. Mai 2009, 10:08:17 »

Übrigens habe ich eben mal nachgeguckt, wann der zweite Teil erscheinen wird. Im Oktober wird es wohl soweit sein. :klatschen:

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Keine Ahnung, warum beim Taschenbuch "Conspiracy" auf dem Titel steht, eigentlich ist der Titel "Lustrum".

Ciriana

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Antw:Robert Harris - Imperium
« Antwort #5 am: 02. Juni 2009, 00:01:45 »

Habe ich da schon wieder eine Fortsetzung verpasst? -
Interessant, hier zwei so gegensätzliche Meinungen zu hören.
Ich habe den Roman vor ungefähr sechs Monate gelesen und fand ihn gar nicht mal so schlecht.
Okay, bei den historischen Fakten kann ich jetzt nicht so mitreden. Ich hatte zwar Latein, aber da ist nicht mehr viel von hängen geblieben.
Ansonsten fand ich ihn wie gesagt ganz gut. Es war interessant zu sehen, wie Cicero dargestellt wurde, da mich die Person fasziniert hat. Ich finde Rhetorik einfach sehr interessant. Bei uns im Lateinunterricht wurde Cicero positiver dargestellt.
Zu dem Schreibstil ist zu sagen, dass ich sehr flüssig und gut zu Lesen. Ich würde das Buch für jeden weiter empfehlen, der sich für römische Geschichte und Politik interessiert. Nach Lesen von Gelis Rezension ist das Buch anscheinend auf für Personen interessant, die sich für die amerikanische Politik interessieren.  :zwinker:
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Antw:Robert Harris - Imperium
« Antwort #6 am: 02. Juni 2009, 09:55:57 »

Ich persönlich konnte mit Imperium irgendwie nicht besonders viel anfangen - und das obwohl ich Cicero sehr interessant finde- ich habe den Roman dann auch abgebrochen, irgendwie war das so überhaupt nicht mein Fall. Das Problem war wohl der Schreibstil, der hat mir nicht gefallen. Es lag auch nicht an der Übersetzung, zuerst hatte ich es nämlich mit dem Original versucht.
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Antw:Robert Harris - Imperium
« Antwort #7 am: 31. Dezember 2009, 20:11:42 »

Ich muss gestehen, daß mir Marcus Tullius Cicero als römischer Politiker durchaus ein Begriff war und ich ihn auch zeitlich einordnen konnte, aber vielmehr wusste ich dann doch nicht über ihn zu sagen und hatte bisher auch nicht das Bedürfnis, mich näher mit ihm zu beschäftigen. Da mir aber Harris' Pompeji gut gefallen hatte, musste ich  natürlich auch seinen nächsten Roman aus dem alten Rom lesen. Und dieser beschreibt die Anfänge seiner Karriere,  erzählt von seinem Sekretär und Vertrauten Tiro, aus nicht sehr privilgierten Verhältnissen kommend, nur durch Heirat mit genügend Geldmitteln ausgestattet, aber intelligent und mit einem beispiellosen Talent für Reden ausgestattet, bahnt er sich seinen Weg in die römische Politik.
Angefangen mit dem Fall um Verres, den Harris so gekonnt erzählt, daß man sich wünschte, man wäre selbst dabei gewesen. Seine  Mitwirkung  daran,  Pompeius den Oberbefehl im Krieg gegen die  Piraten zu übertragen. Und schliesslich seine Wahl zum Konsul, die nicht ganz so spannend  wie der Fall um Verres, jedoch sehr interessant und für die Zukunft der  Republik von entscheidender Bedeutung war.
Natürlich  darf man diesen  Roman, denn das ist er, trotz der augenscheinlichen guten Recherchearbeit  die Harris hier  geleistet  hat, nicht als  Biographie verstehen,  aber es ist durchaus ein guter  Einstieg in das Leben  Ciceros und macht Lust auf mehr.
Ein  gelungener  Politthriller,  der auch Leser, die mit dieser  Materie sonst nichts  anfangen  können (und zu denen ich mich  durchaus  zähle),  begeistern kann und durch seine flüssige Erzählweise zu einem kurzweiligen, aber doch informativen Vergnügen wird.

Dafür hat er die volle Punktzahl verdient

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