Inhalt: Der Jazzkritiker und Biograf Bruno schildert seine Erinnerungen an den Jazzsaxophonisten Johnny Carter. Er erzählt von Auftritten und Studioaufnahmen während seines letzten Aufenthalts in Paris, aber auch von Drogenabstürzen und Zusammenbrüchen, immer wieder vermischt mit Rückblicken auf Johnnys Leben in Amerika.
Meine Meinung: Sowohl Bruno als auch Johnny waren mir ausgesprochen unsympathisch, wobei Johnnys Verhalten häufig durch seinen Drogen- und Alkoholkonsum geprägt ist. Habe ich ihn anfangs noch für ein Ekel gehalten, dem seine Mitmenschen egal sind, kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass er zu stark mit seinen eigenen Dämonen kämpft, um seinen Mitmenschen Aufmerksamkeit zu schenken. Seine als innovativ gefeierte Musik ist für ihn ein unzulänglicher Versuch, sich selbst zu finden und mit dem Leben fertig zu werden. Bruno hingegen ist ein erfolgsverliebter, egozentrischer Mitläufer, der zwar als Freund des Musikers gilt, ihm aber während seiner Abstürze nur widerwillig zur Seite steht und mehr auf dessen musikalische Höhenflüge und den Erfolg der von ihm verfassten Biografie aus ist.
Der Klappentext verrät, dass die Erzählung, der ein "In memoriam Ch. P." vorangestellt ist, tatsächlich vom Vater des Bebop Charlie Parker handelt. Da ich mich bisher weder mit der Geschichte des Jazz im Allgemeinen noch mit Charlie Parker im Besonderen beschäfftigt habe, kann ich nicht beurteilen, wie realitätstreu Cortázar den Musiker dargestellt hat. Der Klappentext und ein Blick in Wikipedia bestärken aber zumindest, dass die geschilderten Ereignisse mit dem Leben (und Tod) der Jazzlegende übereinstimmen. Ob Charlie Parker ebenso wie Johnny Carter von inneren Dämonen zu seinen musikalischen Höhenflügen getrieben wurde und sich eigentlich etwas ganz anderes erhoffte, bleibt dahingestellt
So zusammengefasst könnte man
Der Verfolger für eine interessante Charakerstudie zweier Männer halten, während des Lesens schwankte ich allerdings zwischen den Zuständen genervt und gelangweilt. Ich kenne nichts anderes von Cortázar, aber in dieser Erzählung konnte mich sein Stil nicht überzeugen, er ist zu stark gefärbt von den Persönlichkeiten der beiden Männer. Insgesamt war ich froh über die Kürze der Erzählung, denn mehr hätte ich davon nicht lesen wollen.

Viele Grüße
Breña