
Kurzbeschreibung"Kein einziger Augenzeuge, aber siebzigtausend verdammte Ohrenzeugen!" Die Polizei in der nordschwedischen Kleinstadt ist ratlos, als der Produzent des beliebten Frühstücksfunks bei laufender Sendung ermordet wird. Es gibt keine Spur von einem Täter, dafür aber jede Menge Tatmotive. Schließlich hätten manche aus dem skurrilen Redaktionsteam gute Gründe gehabt, dem selbstbewußten Frauenhelden den Tod zu wünschen. Und das Praktikum, das die junge Stockholmerin Malla in der Redaktion des Lokalsenders macht, verspricht spannender zu werden, als sie jemals erwartet hätte.
Meine EindrückeGroß ist Mallas Praktikumsplatz definitiv nicht: Gerade zehn Kollegen hat sie bei Radio Nordost - das reicht, um für richtig dicke Luft zu sorgen. Schwer zu erklären, was eigentlich in der Luft liegt. Aber Malla hat ohnehin andere Probleme, denn Bengts Lieblingarbeit ist es, die "faulen und nutzlosen Praktikanten" zu Außenreportagen bei minus siebzehn Grad vor die Tür zu schicken. Also rettet sie sich vor der Schinderei durch Tippen von Emails an ihren guten Freund Jonas; denn Tippen sieht nach intensiver Arbeit aus. Die Stimmung kippt, als eines Morgens der Produzent Richard Malmström während einer Livesendung erschlagen wird.
Das gesamte Buch wechselt von Kapitel zu Kapitel die Erzählperspektive. Oft sind es Emails von Malla an Jonas, in denen sie von ihrer Arbeit berichtet. Der zweite Erzähler ist Haqvin, der Musikredaktuer des Senders. Er sitzt in einem gläsernen Büro und versteht es, speziell für seine Kollegen die richtige Musik zu deren Stimmungen auszusuchen. Haqvin kann noch mehr als Stimmungen erkennen, er liest auch Gedanken. In letzter Zeit empfängt er mit seiner Gabe bitterböse Gedanken - aber von wem? Weitere Informationsquellen sind Zeitungsausschnitte, Mitschriften von Tonbandaufnahmen oder Mallas Tagebuch.
An das Spiel der Erzählperspektiven habe ich mich schnell gewöhnt. Aber ich fand die Methode gleichermaßen originell wie auch im Maß etwas überrissen. Mit dieser Patchwork-Methode allerdings gelingt es, ein richtiges Puzzle zu entwerfen. Von Malla erfahre ich etwas, nach Haqvins Kommentaren denke ich mir meinen Teil und nach einem Zeitungssausschnitt dämmert's richtig. Am Ende liefert Mazetti eine Wendung ab, die Sein und Schein noch einmal gründlich auf den Kopf stellt.
Wie caithlin schon einmal an anderer Stelle sagte: Ein wirklich netter Krimi für zwischendurch.
