Sooo... aus einer Laune heraus habe ich diese Trilogie bei einem Schnäppche-Feldzug mitgenommen und kann sagen, dass sie mich auf 700 Seiten doch recht gut unterhalten hat. Ich bin nicht mit allzu großen Erwartungen reingegangen, wusste aber schon vorher, dass es sich wohl um keinen reinen historischen Roman handelt - sonst wäre ich vermutlich etwas verwirrt/enttäuscht gewesen.
Zu allen drei Teilen allgemein kann man sagen, dass ich die Sprache nicht gerade das Gelbe vom Ei der deutschen Schritstellerkunst halte, aber es war schnell und gut lesbar und außerdem unterhaltsam. Das Tempo ist fast durchwegs flott, kaum Längen, am Schluss jedes Buches wird es dann nochmal spannender. Abgesehen davon gibt es dazwischen eingestreut immer wieder recht ekelhafte, blutrünstige Szenen, die zT in ihrer ganzen malerischen Übertriebenheit an diverse Quentin Tarantino/Robert Rodriguez-Filme erinnern, sprich da gibt es eine gewisse Splatter-Ästhetik mit allem drum und dran, abgetrennten Gliedmaßen, Blutfontänen, verkohlten Gesichtern usw. Dazu kann ich leider nicht um folgendes Zitat umhin:
Weil spektakuläre Szenen notwendig sind, ja den Hauptteil einer historischen Erzählung ausmachen, haben wir die Hinrichtung von hundert öffentlich gehängten Bürgern, diejenige von zwei lebendig verbrannten Klosterbrüdern sowie das Auftauchen eines Kometen eingefügt, lauter Ereignisse, die jedes soviel wie hundert Turniere zählen und den Vorteil haben, den Geist des Lesers weiter denn je von der Hauptsache abzulenken.
Tja, wie wahr. Ich persönlich hätte all die plastischen Darstellungen nicht wirklich benötigt, mir dreht es bei sowas immer den Magen um, stattdessen hätte ich gerne ein bisschen mehr Lokalkolorit des frühen 16. Jh. gehabt, aber gut.
Zum Inhalt hat Miramis eh schon einiges geschrieben, dem ich auch beipflichten kann. Für mich war der große Nachteil des Buches eigentlich der zweite Teil,
Der Traumvater. Warum? Nun ja, Kai Meyer beginnt temporeich mit dem
Engelspakt und man kommt schön in die Geschichte und ihre Mysterien hinein und plötzlich wird das abgesägt und man findet sich auf einem düsteren Märchenschloss im Spreewald wieder, mit einer Ansammlung skurriler, überzeichneter Figuren und natürlich dem schemenhaft auftauchenden Traumvater. Klar, Faustus, Christof Wagner und ihre Begleiterin Angelina sind mit von der Partie, allerdings hat der zweite Teil sonst inhaltlich kaum etwas mit dem ersten Teil zu tun. Wagner fragt sich irgendwann - zu Recht - warum Faustus überhaupt den Umweg zum Schloss des Schlangenkönigs gemacht hat und es ergibt sich zwar ein vager Erklärungsversuch, aber so richtig weiß das auch der Leser bis zum Schluss nicht. Faustus ist einfach im Schloss weil er will, man hofft später auf eine Verbindung wenigstens zum dritten Teil (auch wenn das eine inhaltlich sehr gewagte Brücke ist, finde ich), aber auch dann bleibt sie nur sehr vage...
Meiner Meinung nach hätte Kai Meyer besser den zweiten Teil als eigenes Buch (mit anderen Protagonisten) herausgebracht und nur Teil 1+3 zum Faustus-Buch werden lassen, weil dann hätte der zweite Teil als mystisches Märchenbuch mit all seinen spannungsreichen Momenten durchaus Raum für sich selbst gehabt.
Im dritten Teil geht es dann in des Pudels.. äh... nein, in den Kern der Sache, nämlich nach Rom, auch hier wieder spannend, trotz gehöriger Portion Mystik und ich finde auch, dass er da ganz gut wieder an den ersten Teil anschließt. Leider werden aber auch hier nicht alle Fragen geklärt und vieles erzählerisch unter den Teppich gekehrt. Es ist nicht so schlimm, dass ich den Eindruck hatte kein richtiges Ende zu haben, nein, das war schon ok so, aber es hätte noch einen Tick hübscher sein können, finde ich.
Weil ehrlich: Was ist mit den 4 Engelskriegern, die sich unter der Engelsburg versteckt hatten, passiert? Und was ist jetzt genau zwischen Wagner und Angelina? Nach all der Dramatik ist ein simples Hände reichen am Ende dann doch ein bisschen wenig. Ich erwarte ja keine Nackenbeißer-Action, aber kommen die überhaupt richtig zusammen? Was hat der Traumvater mit dem letzten Teil zu tun? Und wieso ist er nackt? *g* Und ist er auch in einem jungen Körper wiedergeboren oder ist er einfach so wieder jung geworden? Und was hat er da für Tattoos? Tja... Fragen über Fragen...
Trotzdem: alles in allem wurde ich über alle drei Teile hinweg gut unterhalten und hatte Lust zum Weiterlesen, was bei so einem Wälzer ja nicht immer selbstverständlich ist. Ein Popcorn-Historien-Abenteuer, aber ein nettes.
Ergibt:
