Hallo,
was mir beim Literaturthema Kanada mal wieder einfällt ist, dass viele kanadische AutorInnen ihre Handlung in die USA verlegen. Ehrlich gesagt kann ich das immer nicht nachvollziehen - was macht Kanada denn in deren Augen so uninteressant? Oder ist es einfach purer Zufall? Ich kenne dieses Phänomen eigentlich eher aus dem Filmbusiness: dort werden die US-Filme oft in Kanada gedreht - allerdings lediglich aus Kostengründen.
Auf Anhieb fallen mir außer einigen bereits genannten AutorInnen folgende ein:
Giles Blunt, dessen Thriller rund um das sehr gelungene Ermittlerpaar John Cardinal und Lise Delorme mir extrem gut gefallen. Sehr schön sind die landestypischen Details, die man hier nebenbei vermittelt bekommt, beispielsweise durch die Neckereien der beiden um die frankophonen-englischsprachigen Auseinandersetzungen.
Bislang gibt es vier Fälle:
Gefrorene Seelen,
Blutiges Eis,
Kalter Mond und
Eisiges Herz, die allesamt in der Provinz Ontario spielen.
Unter anderem:


Rezensionen gibt es
hier und
hier.Ebenfalls ein Thrillerautor ist
James W. Nichol. Von ihm sind in Deutschland zwei Bücher erschienen:
Ausgesetzt und
Verachtet. Letzteres habe ich gelesen und das sogar gerne: es spielt an zwei verschiedenen Orten: Paris in den letzten Monaten des II.Weltkrieges und einigen Jahre später in Kanada.
Unter anderem:


Rezension dazu
hierDann ist momentan ein weiterer kanadischer Autor im Spannungsgenre in aller Munde:
Linwood Barclay. Sein kürzlich erschienener Krimi
Ohne ein Wort spielt allerdings an der Ostküste der USA - oben bin ich darüber ja bereits mein Unverständnis losgeworden.


Rezensionen
hierVon
Alistair MacLeod habe ich vor längerer Zeit den Roman
Land der Bäume gelesen - MacLeod erzählt über die Menschen an der kanadischen Atlantikküste, Bewohner einer sehr kargen Wildnis.
Unter anderem:

Timothy Findley ist wohl einer der bedeutendsten Literaten der Gegenwart aus Kanada. Zu seinen Werken zählen Romane, Erzählungen und Theaterstücke, für die er neben zahlreichen Literaturpreisen auch einige Ehrendoktorwürden erhielt.



etc. ...
Mordecai Richler war zu Lebzeiten einer der bekanntesten Schriftsteller seiner Landes. Außerdem war er auch noch als Drehbuchautor und Essayist tätig. Sein Umfeld und seine jüdische Herkunft waren häufig Thema seiner Werke. Kürzlich in deutschsprachigen Raum wiederentdeckt:
Die Lehrjahre des Duddy Kravitz ist ein moderner jüdischer Schelmenroman. Richler ist zudem hochdekoriert - er erhielt unter anderem die höchste Auszeichnung seines Landes für Zivilpersonen: er wurde als "Companion of the Order of Canada" geehrt. Außerdem wurde er neben vielen literarischen Auszeichnungen auch zweimal für den Booker Prize nominiert.


- andere Titel sind momentan nicht lieferbar.
Zu den großen Schriftstellerinnen gehören sicherlich zwei bekannte Namen:
Annie Proulx besitzt neben der US-amerikanischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft, da ihr Vater Frankokanadier war. Mit
Schiffsmeldungen dürfte sie ihren internationalen Durchbruch erlangt haben, ihre Erzählung
Brokeback Mountain wurde erfolgreich verfilmt und erhielt drei "Oscars", unter anderem für das beste Drehbuch.
Unter anderem:


Alice Munro dürfte nicht erst seit Elke Heidenreich hier ein Begriff sein - vor allem ihre Erzählungen machten sie äußerst bekannt. Die zuletzt erschienenen liefen unter dem Titel
Tricks und sind ganz wunderbar.
Unter anderem:

Barbara Gowdy hat mit
Der weiße Knochen, einer ungewöhnlichen Geschichte aussicht einer Elefantenfamilie, auch hierzulande Aufmerksamkeit erregt.


Dagegen dürfte
Merilyn Simonds realtiv unbekannt sein - in Deutschland ist erst ein Buch von ihr erschienen (
Das alte Land), welches in Kanada allerdings gleich zum Liebling des Buchhandels avancierte.

Douglas Coupland ist eher ein nicht-konformer Kultautor mit ungewöhnlichen Themen: von ihm habe ich vor Jahren
Girlfriend in a Koma gelesen und kam damit nicht sonderlich gut zurecht. Aktueller ist
Eleanor Rigby, ein Buch das gute Besprechungen erhalten hat.


Miriam Toews kommt aus einer mennonitischen Familie und beschreibt in ihren Romanen
Ein komplizierter Akt der Liebe und
Kleinstadtknatsch) eben dieses Leben - sie selbst ist ausgebrochen, steht für eine junge Generation von Schriftstellern.



Liebe Grüße
dubh