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Autor Thema: Gustav Meyrink - Der Golem  (Gelesen 1191 mal)

fairy

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Gustav Meyrink - Der Golem
« am: 11. Juli 2007, 16:42:08 »

Hallo!



Inhalt:

Ein anonymer Erzähler nimmt im Traum die Identität eines Gemmenschneiders an, mit Namen Athanasius Pernath. Dieser lebt etwa dreißig Jahre früher  im alten jüdischen Ghetto von Prag. Als ein seltsamer Kunde ihm ein Buch zum Ausbessern gibt, gerät sein Leben aus den Fugen. Seltsame Erinnerungen steigen in ihm auf, er hat Visionen und Halluzinationen. War das vielleicht der Golem, jene mystische Sagengestalt? Zu allem Überfluss wird Pernath in die dreckigen Intrigen des Studenten Charousek und des Trödlers Aaron Wassertrum verwickelt. Und dann sind da auch noch Angelina und Mirjam, zwei Frauen, so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Meine Meinung:

Das Buch hat mich auf eine seltsame, ja fast schon unheimliche Weise berührt und mich etwas ratlos und verwirrt zurückgelassen. Obwohl mit Der Golem betitelt, kommt dieses Wesen nur am Rande der Geschichte vor. Nachdem Pernath das Buch Ibbur (Die Seelenschwängerung) erhalten hat, wird seine Seele aufgeweckt. Er hat seltsame Visionen und sieht sich auch manchmal selbst, wie er sich selbst gegenüber sitzt. Er bemerkt zum ersten Mal, dass er keine einzige Erinnerung an seine Kindheit und sein frühes Erwachsenenleben hat. Als Leser erfährt man schnell, dass Pernath früher Wahnvorstellungen hatte und durch einen Psychologen hypnotisiert wurde, um eine Amnesie künstlich herbeizuführen. Er ist ständig auf der Suche nach etwas, meist weiß er wohl selbst nicht, nach was. Da ist zum Beispiel der Raum ohne Zugang, in dem sich der Golem verbergen soll, wenn er nicht in den Gassen des Judenviertels wandelt, den er betreten will. Auf der Suche irrt er durch das Kanalsystem oder doch durch sein Ich?

Die große Stärke des Buches liegt in der impressionistischen Beschreibung des jüdischen Viertels. Meyrink vermag es, eine so unheimliche und einzigartige Atmosphäre zu schaffen, dass man die abgehärmten und verarmten Menschen in den dreckigen, dunklen Gassen klar vor Augen hat. Die Handlung ist meist sehr spannend, doch manchmal verstrickt sich Meyrink in den verschiedenen Ansichten, die er rüberbringen will und verliert den Faden. Ebenso überzeugend kommen die Charaktere daher, die so gut wie alle nach ihren eigenen Interessen handeln und denen kein Schmerz zu groß ist, um ihn anderen zuzufügen.
Es geht um die alte Frage nach der Identität des Menschen, um Mystik, okkulte Ansichten und die Gratwanderung zwischen Wahnsinn und klarem Verstand, Traum und Realität. Wem der Golem erscheint, blickt in seine eigene Seele, er ist sozusagen sein Doppelgänger. Mit diesem Buch betritt man eine Traumwelt mit der Gefahr sich zu verirren und zwar in den eigenen Abgründen.

Ich vergebe: 3ratten und  :marypipeshalbeprivatmaus:

Zu empfehlen ist unbedingt eine Ausgabe mit den Illustrationen von Hugo Steiner-Prag!

fairy
« Letzte Änderung: 11. Juli 2007, 16:44:45 von fairy »
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Alfa_Romea

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Re: Gustav Meyrink - Der Golem
« Antwort #1 am: 22. Juli 2007, 11:56:12 »

Hi!

"Der Golem" hat mich vor allem ratlos zurückgelassen. Ich mochte das Buch überhaupt nicht. Mir kam es vor, als ob ich in einem Alptraum gelandet wäre und ich habe mich wirklich durchgequält, weil ich nicht mal ansatzweise verstanden habe, was uns Meyrink mit diesem Buch sagen wollte. Offenbar funktioniert mein Verstand ganz anders als seiner und so konnte ich keinen Gewinn aus der Lektüre ziehen.

@fairy: Ich bin froh, dass es dir zumindest teilweise ähnlich ging...  :smile:

Lieber Gruss

Alfa Romea
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fairy

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Re: Gustav Meyrink - Der Golem
« Antwort #2 am: 26. Juli 2007, 18:50:23 »

Tja, das Buch ist einfach irgendwie seltsam... Ich glaube, dass Meyrink den Geist des alten Prager Ghettos einfangen wollte, der sich in seinen Charakteren widerspiegelt. Am Ende wird es abgerissen, bzw. saniert, und alle fangen woanders ein neues Leben an und werden nicht mehr von dieser Düsternis erdrückt.

Vielleicht schreibt hier ja noch mal jemand, der es wirklich verstanden hat, wer weiß?
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Liadan

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Re: Gustav Meyrink - Der Golem
« Antwort #3 am: 04. August 2007, 11:23:03 »

Hallo!

Ich habe das Buch im Deutsch LK gelesen und mir hats irgendwie schon gefallen auch wenn es oft mühsam war einen Interpretationsansatz zu finden. Man konnte unendlich diskutieren. :) Wir haben dazu sogar einen tollen Film gedreht und waren in Prag auf Kursfahrt.

Wenn jemand Interesse hat kann ich mal meine Klausur abtippen. Das genaue Thema fällt mir nur grad nimmer ein aber ich hatte eine 1. :P
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chil

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Re: Gustav Meyrink - Der Golem
« Antwort #4 am: 21. Januar 2008, 23:08:57 »

Hier meine Rezension:


„Der Golem“ ist eigentlich eine Geschichte in der Geschichte. Ein unbekannter Erzähler ist nach Prag auf Besuch gekommen und liest vor dem Einschlafen noch in einem Buch über das Leben von Buddha Gotama. Daraufhin schläft er ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf, in den er fällt. Er erlebt in seinem Traum das Leben des Gemmenschneiders Athanasius Pernath, einem Einwohner des Prager Ghettos Ende des 19. Jahrhunderts.

Pernath bekommt eines Tages Besuch von einer seltsamen Gestalt, die ihm das Buch Ibbur bringt und bald darauf wieder verschwindet. Der Gemmenschneider liest in dem Buch, nichts ahnend, dass sich daraufhin sein Leben komplett verändern wird. Er hat den Verdacht, die mysteriöse Gestalt sei vielleicht der Golem gewesen, eine seelenlose Figur aus Lehm und Ton, die alle 33 Jahre im Prager Ghetto umgehen soll und einst als Beschützer der Juden von Rabbi Löw geschaffen wurde.

Doch es bleibt weiter seltsam. Der unbescholtene Pernath wird in Intrigen verwickelt, die ihn schließlich sogar für einige Zeit ins Gefängnis bringen, weil er des Raubmordes verdächtigt wird. Außerdem verliebt er sich in Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, mit dem ihn eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet. Dann ist da noch Charousek, ein armer Medizinstudent, der einen persönlichen Rachefeldzug gegen den Trödler Aaron Wassertrum führt, für den er Pernath gewinnen möchte.

Das Buch „Der Golem“ ist eine phantastische Geschichte mit vielen Traumelementen, Halluzinationen und Symbolen. Man begleitet Meister Pernath beim Versuch, eben jene zu entschlüsseln und zu verstehen und auf seiner Reise in sein Selbst. Gerade weil die Grenzen zwischen den Erzählungen, den Geschehnissen in der Geschichte und diesen phantastischen Elementen oftmals verschwinden, wird Spannung aufgebaut. Die Geschichte ist nicht allzu leichte Kost, doch man hat damit etwas, das sicher nicht spurlos an einem vorübergeht.
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Sondereinband: 320 Seiten
Verlag: Langen/Müller; Auflage: 2., Aufl. (November 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3784424988

3ratten
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foenig

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Re: Gustav Meyrink - Der Golem
« Antwort #5 am: 13. September 2011, 10:43:32 »

Ich fand es recht schwierig den Golem zu lesen, weil er mich von Anfang an verwirrt hat. Oft war ich mir selbst nicht sicher, was Fiction und was Wirklichkeit darstellen soll und welche der Figuren alles Wahnvorstellungen hat... Umso besser konnte ich mir jedoch das Leben im Prager Ghetto vorstellen, das wurde verständlich und interessant wiedergegeben. Die Geschichte selbst konnte mich leider kaum fesseln, da ich die meiste Zeit damit beschäftigt war herauszufinden, um was es überhaupt geht...

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