Hallihallo!
Was auf einem Wühltisch begann, wird wohl so schnell nicht wieder aus meinem Gedächtnis und meinem Herzen verschwinden. Oft sind es die kleinen Bücher, von denen man nicht viel erwartet, die sich als wahre Perlen herausstellen. "Die Woche mit Sara" ist für mich so ein Buch.
Meine Meinung:Ohne Vorwissen habe ich mich an dieses Buch gewagt, angelockt durch den schwedischen Autor und das schöne Cover. Die Geschichte um Albert, den Unteroffizier, der auf einem Schiff die junge Sara kennen lernt, liest sich sehr flüssig, ohne Längen, aber auch ohne sonderlich interessante Wendungen.
Spannend und schön wird es, als Albert Saras Zurückhaltung knacken kann und sie ins Gespräch kommen. Schon vom ersten Augenblick muss man diese Person gern haben, die auf emanzipierte Art und Weise stets ihren Anteil am Abendessen und den Reisekosten bezahlt, die ihre eigene Herrin ist und ein Handwerk ausübt. Sie ist offen und frei und zugleich verantwortunsbewusst. Eine dermaßen moderne Frau in einem so alten Buch anzutreffen, das ist schon sehr erstaunlich. Und so habe ich jede Seite genossen, war gespannt, ob Sara Dinge tun würde, die wirklich sehr modern sind - wie zum Beispiel außerhalb der Ehe mit einem Mann zu schlafen, der ihr gefällt. Diese Spannung liegt stets in der Luft. Beide Protagonisten sowie der Leser wissen, dass es prickelt und alle (das nehme ich jetzt einfach mal an

) wollen es.
Kurz vor Ende der Geschichte, ich erinnere mich genau, in Kapitel 7 kam dann schließlich der Moment, wo ich nur noch mit offenem Mund las, kaum mehr atmen konnte und einfach nicht glauben konnte, dass dieses Buch 150 Jahre alt ist. Saras Ansichten über die Ehe, das Leben und die Liebe sind nicht nur den meinen erstaunlich ähnlich - was vielleicht auch dazu beitrug, dass ich sie so sympathisch finde - sondern nicht nur modern, sondern sogar unserer Zeit um einige Schritte voraus. Die Probleme, über die sie und Albert diskutieren, existieren auch heute noch, wenn nicht noch schlimmer. Und hier ist das Erfolgsrezept für funktionierende Beziehungen, für das Erhalten der wahren Liebe - in einem kleinen Büchlein, das irgendein unglücklicher Schwede vor 150 Jahren schnell mal hingeschrieben hat.

Vielleicht hat mich das Ende des Buches doppelt berührt, weil ich selbst gerade eine Beziehung beendet habe, die nicht der Norm entsprochen hat. Man ist zwar mit vielen Vorurteilen konfrontiert, aber lustigerweise ist die Beziehung genau daran gescheitert, dass wir diesen unkonventionellen Aspekt verloren und uns der Masse angepasst haben.
Dieses Buch ist ein wahrer Augenöffner, nicht nur was dieses Thema betrifft, sondern hat mir auch ein wenig über schwedische Kultur zu jener Zeit beigebracht und Interesse für die Landschaft Schwedens geweckt.
