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Autor Thema: E. Annie Proulx - Schiffsmeldungen  (Gelesen 2077 mal)

mondy

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Antw:E. Annie Proulx - Schiffsmeldungen
« Antwort #15 am: 18. Januar 2010, 16:25:43 »



Inhalt (zur Erinnerung)
Quoyle hat es nicht leicht in seinem Leben: von Kindheit an schikaniert von Vater und Bruder, wächst er zu einem gesellschaftlichen Außenseiter heran. Sporadische und ständig wechselnde Jobs, eine notorisch fremdgehende Ehefrau, der einzige Freund zieht weit weg ... nur seine Kinder Bunny und Sunshine halten Quoyle aufrecht. Als sowohl die Ehefrau Petal als auch der Vater stirbt, bricht er all seine Zelte ab und zieht mit seiner Tante und den Kindern nach Neufundland, um dort ein neues Leben zu beginnen. Schon bald findet er eine Anstellung in der lokalen Zeitung Gammy Bird und somit das erste Mal in seinem Leben richtigen sozialen Anschluss ...

Meine Meinung
Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es sich tatsächlich manchmal lohnt, ein Buch nicht abzubrechen. Zu Beginn tat ich mir richtig schwer mit "Schiffsmeldungen": Der Schreibstil war überhaupt nicht mein Fall ... kurze Sätze und die nicht mal vollständig. Dieser abgehackte Stil ging mir furchtbar auf die Nerven und ich habe deswegen lange nicht in die Geschichte hinein gefunden. Quoyles Familienprobleme verwirrten mich mehr als dass sie mir weiterhalfen und den Charakter an sich fand ich auch nicht besonders ansprechend.

Mit der Zeit fand ich mich aber mit dem Schreibstil ab ... Gott sei Dank, weil sonst hätte ich wahrscheinlich diese wunderschöne Geschichte rund um Neufundland nicht so genießen können. Quoyle entwickelte sich zu einem Buchcharakter mit dem ich unglaublich litt und mich aber auch unbändig freute. Ein ruhiger, verschlossener und unsicherer Außenseiter, der sich nicht nur für sein Äußeres schämt, kommt nach Neufundland und versucht, Fuß zu fassen. Die lockere und offene Art der Neufundländer hilft ihm dabei, sich aus seiner sozialen Isolation zu befreien und mit jeder Seite spürt man das Wachsen des Charakters. Die Liebe zu seinen Kindern, die nicht immer ganz einfach sind, wird deutlich, man fühlt richtig das Glück innerhalb der kleinen Familie.

Natürlich passieren nicht nur tolle Dinge, die Autorin konfrontiert den Leser mit Kindesmissbrauch, seelischer Abhängigkeit und Verwahrlosung. Aber alles in einem leisen Ton, der einen zwar anrührt, aber meistens nur andeutet und nicht direkt beschreibt oder offen schockiert.

Sehr gut gefallen haben mir übrigens die kleinen, eingestreuten Geschichten, die die Einheimischen des öfteren erzählen. Teilweise total abgedreht und immer in diesem heimeligen, lockeren Ton ... mehr als einmal saß ich grinsend auf dem Sofa und stellte mir die Situation vor. 

Das Ende ist relativ kitschig: ein Disney-Ende mit "Jetzt-ist-alles-gut"-Faktor. Aber ich bin echt froh darüber. Das ganze Buch über hatte ich Angst, dass Quoyle irgendetwas schlimmes zustößt, dass sein wachsendes Glück zerstören könnte. Nachdem ich den Charakter so ins Herz geschlossen hatte, wäre das wahrscheinlich der Untergang für mich gewesen. So aber konnte ich beruhigt das Buch schließen und mich für Quoyle und seine Kinder freuen.  :freu:

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annaliest

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Re: E. Annie Proulx - Schiffsmeldungen
« Antwort #16 am: 31. Oktober 2010, 19:44:17 »

Ich habe das Buch auch vor zwei Tagen zu Ende gelesen und es beschäftigt mich immer noch... Mir haben die kurzen, unvollständigen Sätze anfangs auch etwas zu schaffen gemacht. Doch ich denke, das passt zu der Stimmung, die das Buch wieder geben will, zu der rauen Landschaft. Es gibt viel, worüber man sich beim Lesen des Buches Gedanken macht. Die Handlung fand ich spannend, aber ich glaube es geht bei Schiffsmeldungen um mehr als nur ein Menschenschicksal oder das einer Region. Es geht um das Leben an sich und um den Tod der dazu gehört. Nicht gefallen hat mir, wie die Autorin von der Liebe - und von Sex - spricht. Auch schade fand ich, dass einige Nebengeschichten im Sande verliefen. Beispiel Bill Pretty oder der alte Einsiedler-Onkel. Ihre Geschichten wurden zwar gestreift, man hat Interesse entwickelt aber das Buch endete ohne wieder darauf zurück zu kommen. Insgesamt trotzdem ein interessantes, ungewöhnliches Buch, wie ich fand. Eine Prise zu viel Tod und Gewalt für meinen Geschmack. Dafür eine ruhige, melancholische Atmosphäre - genau das richtige für kühle Herbsttage :)

 4ratten

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