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Autor Thema: Ernest Hemingway - Fiesta  (Gelesen 1678 mal)

caithlin

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Ernest Hemingway - Fiesta
« am: 25. Juni 2007, 11:23:05 »

Ernest Hemingway - Fiesta



In Fiesta, dem Debütroman von Hemingway, dreht sich alles um einen Freundeskreis von Amerikanern, die nach dem ersten Weltkrieg nun in Paris leben; die zuviel trinken und die Nacht zum Tage machen, die allem Anschein nach nie arbeiten, aber vorgeben Schriftsteller zu sein. Das ist die so genannte Lost Generation.

Zu Beginn lernt der Leser das Alltagsleben der Hauptpersonen in der französischen Hauptstadt kennen. Dieser Alltag wird bestimmt vom süßen Nichtstun, vom Sitzen in Cafés und Restaurants, von Tanzabenden. Die fünf Freunde leben unbeschwert in den Tag hinein. Die vielen, kurzen Dialoge sind gehaltlos und von Floskeln durchsetzt, selbst die Gespräche über eigene Beziehungen bleiben ohne Tiefgang.

Für den längeren zweiten Teil dient Spanien als Handlungsort. Man bricht auf nach Pamplona um dort die Fiesta und die Stierkämpfe mitzuerleben, vorher wird in einigen Dörfern haltgemacht um zu fischen.

Gut gefallen haben mir hier die Beschreibungen - die karge Landschaft Spaniens, die drückende Hitze, die freundlichen Dorfbewohner, das friedliche Angeln im Wald, die Stierkämpfe.

Durch das rege Treiben während der Fiesta scheinen nicht nur die Protagonisten neu angeregt, auch die Handlung wird mehr belebt. Je weiter man liest desto mehr Streitigkeiten gibt es innerhalb der Gruppe, sie beginnen auch, sich Gedanken über die Inhaltslosigkeit ihres Lebens zu machen, hier und da machen sich Gewißensbisse bemerkbar.

Dennoch bleibt auch dies noch seltsam flach. Die Beschreibungen von existenzieller Leere, großen Gefühle, all das scheint - wenn überhaupt - nur angedeutet und ließ bei mir deshalb nach der Lektüre nicht viel mehr als ein unbefriedigtes Gefühl zurück.

Insgesamt eignet sich das Buch sicher besonders für die heiße Jahreszeit, für alle die sich für den Stierkampf interessieren, und für diejenigen, die einen Einstieg in das Werk Hemingways suchen.

Ich selbst werde wohl so schnell zu keinem weiteren Buch des Autors greifen, nicht, weil ich "Fiesta" schlecht fand, sondern aus dem Grunde, dass es mich nicht so recht zu fesseln vermochte und ich fürs Erste auch kein Bedürfnis danach verspüre, mehr von ihm kennenzulernen.

 3ratten
« Letzte Änderung: 25. Juni 2007, 13:25:17 von caithlin »
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Sich das Lesen zur Gewohnheit machen heißt, sich einen Ort zu schaffen, in den man sich vor fast allem Elend des Lebens zurückziehen kann.
(W. Somerset Maugham)

manfredk

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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #1 am: 25. Juni 2007, 16:20:49 »

Liebe Leserin !
Jeder Mensch nimmt eben das aus einer Geschichte mit, was er (oder sie) für passend und gut hält. Dieses Werk Hemingway's ist sicherlich kein Frauen-Buch. Das ist natürlich klar. Die Bemerkung, der Roman sei 'Sommer-Lektüre' finde ich aber doch ein wenig überzogen. Sie dürfen sich eben nicht an der kargen, unverschnörkelten Sprache stoßen. Wenn Sie versuchen, ein klein wenig die kurzen, prägnanten Worte anders zu interpretieren, dahinter etwas zu sehen, sie als Ausdruck und Möglichkeit des beinahe Poetischen zu behandeln, vielleicht klappt es dann beim zweiten Versuch.
Gruß ! Manfred
www.lordjim.at
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Klassikfreund

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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #2 am: 25. Juni 2007, 16:32:27 »

vielleicht klappt es dann beim zweiten Versuch.

Hallo Manfred,

üblicherweise duzen wir uns hier im Forum. Außerdem halte ich den herablassenden Ton des oben zitierten Halbsatzes für unangebracht. Siehe auch die Allgemeinen Forenregeln.

Schöne Grüße,
Thomas
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sandhofer

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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #3 am: 25. Juni 2007, 16:38:11 »

Außerdem halte ich den herablassenden Ton des oben zitierten Halbsatzes für unangebracht.

Ja? Habe ich nun gar nicht als herablassend empfunden.

Um aber noch was zum Thema zu sagen: Hemingway scheint mir eher der Mann für die Short Story zu sein; sicherlich eher Jungs-Lektüre - vielleicht (ähnlich wie Hesse und doch ganz anders gelagert) auch für ein gewisses Lebensalter ...
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

mombour

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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #4 am: 18. Juli 2007, 07:34:55 »

Hallo,

Achte Rezi für den Sub-Wettbewerb 2007

Ernest Hemingway: Fiesta

Wie unterschiedlich Bücher auf den menschlichen Geist wirken können, sehe ich bei Hemingway. In jungen Jahren habe ich mich in mancher Kurzgeschichte gelangweilt, „ Das kurze glückliche Leben von Francis Macomber“ fand ich aber damals schon ungewöhnlich hervorragend. Dasselbe Gefühl habe ich heute bei Hemingways „Fiesta“. Ein ganz hervorragend erzählter Roman über die  „lost generation“ nach dem ersten Weltkrieg, die sich an Spannung nach und nach aufbaut und melancholisch endet.

Die Handlung rankt sich um die Liebe zwischen den ehemaligen Soldaten Jake, der unter einer Kriegsverletzung zu leiden hat, und Brett, die in Italien im Krieg seine Krankenschwester war. Hemingway spielt auf eigene Erlebnisse im ersten Weltkrieg an, die im Zentrum seines zweiten Romans „In einem anderen Land“ stehen. Insbesondere in den Figuren von Jake und Brett zeichnet Hemingway die Perspektivlosigkeit, Sinnlosigkeit des Lebens und die damit unterschwellige Langeweile junger Menschen, deren Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Krieg gebrochen war. Für mich ist „Fiesta“ der beeindruckendste Roman, der die trostlose Atmosphäre nach dem Krieg transportiert.


Paris zu Beginn der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. In Schriftsteller – und Journalistenkreisen werden die Tage in Cafés, Bars und Kneipen verbracht. Geld ist da, so kann Alkohol in Mengen fließen. Naürlich geht es auch um Männer und Frauen, aber ganz anders, als man denkt. Da gabelt sich Jake irgendein Mädchen auf, schleppt sie in Tanzlokal, in der seine Freunde feiern. Georgette wird auf den Tanzboden herumgereicht und vergnügt sich. Jake hat sie schon längst vergessen, aber man munkelt, es ist seine neue Flamme. Das ist nur eine von vielen schönen Szenen, in der Hemingway die Trostlosigkeit von Jake's Dasein markiert.

Robert Cohn ist auch ein sehr markanter Charakter, den Hemingway so herrlich geschaffen hat. Ein Mann, der in Jake's Clique überhaupt nicht hineinpasst und ein Grund dafür ist, dass die Spannungen unter Jake's Kumpanen auf der Fiesta in Pamplona sich in unerträgliches Maß steigern. Diese Spannung zwischen den Freunden parallel zum erhitzten gefährlichen Stierkampftreiben ist einfach grandios erzählt.  Der Roman endet wie er enden muss. Still und leise.

 5ratten

Liebe Grüße
mombour
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Annabas

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Antw:Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #5 am: 05. Juli 2009, 21:12:15 »

Ernest Hemingway – Fiesta

Der erste Satz:

„Robert Cohn war in Princeton Mittelgewichtsmeister im Boxen gewesen.“

Meine Meinung zum Buch:

Mein erstes Buch von Hemingway war gleich ein Volltreffer.

Es war absolut meisterhaft, wie man unter dem scheinbar belanglosen, spöttischen und oberflächlichen Geplänkel zwischen der Freunden das Leid und die Einsamkeit unter der Oberfläche herauslesen konnte. Eigentlich ist es ein sehr trauriges Buch, ein Buch darüber, wie ein Krieg die Menschen und ihre Zukunft zerstört. Dabei ist es egal, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Und auch die auswegslose Situation, in der sich die Protagonisten befinden, wird sehr deutlich, denn alle wissen, dass sie die Menschen, die ihnen zu nahe kommen, unweigerlich mit sich reißen und niemals ihr derzeitiges Leben hinter sich lassen können, auch nicht mit deren Hilfe. Einsamer kann man wohl nicht sein, wenn man alles, was man liebt, wegschicken muss, um es nicht zu zerstören.

Ich fand dieses Buch großartig.

Meine Bewertung:    5ratten

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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cori

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Antw:Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #6 am: 14. Juli 2009, 11:55:57 »

Mir gefällt die Sprache Hemingways sehr gut. Fiesta war nicht so ganz mein Thema, da ich mit dem Stierkampf auf Kriegsfuss stehe, aber dennoch honoriere ich es sehr, wenn mir ein Autor die Hitze aus Spanien, Kuba, was auch immer, manchmal Paris ins Wohnzimmer bringt, allein durch die Genauigkeit

Daher: Für Fiesta  3ratten
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Ninette

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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #7 am: 16. September 2011, 09:40:20 »

Ernest Hemingway
Fiesta
OT: The sun also rises
Erstveröffentlichung 1926
Aus dem englischen von Annemarie Horschitz-Horst (1964)
rororo Verlag
295 Seiten

Der erste Satz
Robert Cohn war in Princeton Mittelgewichtsmeister im Boxen gewesen.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Das Buch gehörte mal meinem Großvater und ist heute im Besitz meines Papas.

Meine Meinung
Ich finde es schwer über ein solches Buch zu schreiben. Über Hemingway generell. Vordergründig dreht sich die Geschichte um eine Gruppe befreundeter Amerikaner, die in Paris leben und zum Stierkampf nach Pamplona aufbrechen. Sie feiern, trinken und sitzen in Cafés. Doch in der Erzählung schwingt auch die Sprachlosigkeit über den Krieg mit. Er wird höchstens angedeutet, niemals sprechen die Freunde wirklich darüber, was ihnen geschehen ist. Man erfährt, dass der Ich-Erzähler eine Kriegsverletzung hat und dass er Brett aus dem Krankenhaus kennt, in dem er behandelt worden ist. Aber der Schrecken des Krieges wird nicht explizit thematisiert. Er ist ein stiller Begleiter während alle Normalität vortäuschen. Auffällig ist auch die Einsamkeit, die alle Charaktere verspüren.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Sprache ist schön und unkompliziert; kein verschnörkelter Satzbau. Die Beschreibungen des Stierkampfes fand ich auch toll, obwohl ich keinen Stierkampf mag.

Für mich war es sehr wichtig dieses Buch zu lesen, da es das Lieblingsbuch meines Großvaters war, der selbst mit 14 als Soldat in den zweiten Weltkrieg ziehen musste. Später war er großer Verehrer Hemingways, weil er sich von ihm verstanden gefühlt hat - ich denke, nach Fiesta weiß ich warum.

Bewertung: 5ratten
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #8 am: 16. September 2011, 11:50:47 »

Für mich war es sehr wichtig dieses Buch zu lesen, da es das Lieblingsbuch meines Großvaters war, der selbst mit 14 als Soldat in den zweiten Weltkrieg ziehen musste. Später war er großer Verehrer Hemingways, weil er sich von ihm verstanden gefühlt hat - ich denke, nach Fiesta weiß ich warum.

Irgendwie krieg ich gerade Gänsehaut. Ich finde das unheimlich schön, dass Du so auf Opas Spuren wandelst.
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #9 am: 16. September 2011, 11:56:57 »

Mir ging es grade ähnlich wie Valentine, das ist wirklich ein schöner Grund ein Buch zu lesen. :)
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #10 am: 16. September 2011, 11:57:14 »

Ja, ich kenne ihn leider nur aus Erzählungen meines Papas, da er kurz vor meiner Geburt gestorben ist. Aber er war ein großer Leser. Während meine Oma gar nicht liest, hat er immer abends im Bett noch gelesen. Deshalb fühle ich mich ihm irgendwie verbunden, ohne ihn gekannt zu haben. Als ich Der alte Mann und das Meer gelesen habe, kam mir eine Postkarte meines 15 Jährigen Papas aus dem Urlaub an meinen Opa entgegen geflattert. In meinen Büchern sammeln sich auch immer Postkarten, Eintrittskarten und Schnipsel.  :breitgrins:
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #11 am: 16. September 2011, 11:58:48 »

@Ninette
Das klingt als ob ihr euch gut verstanden hättet :breitgrins:
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #12 am: 16. September 2011, 11:58:53 »

Sowas ist sooo schön.

Mein Opa hat auch gerne gelesen, ich weiß aber leider nicht, was. Ich habe ihn zwar noch gekannt, aber er starb, als ich sechs war - und viele Bücher standen bei meinen Großeltern nie rum, vielleicht hat er sich viel ausgeliehen.
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #13 am: 16. September 2011, 12:02:13 »

Ja ich glaube wir hätten uns sehr gut verstanden.  :zwinker:
Ich weiß leider viel zu wenig über ihn.
Kannst du niemanden fragen Valentine?
Meine Oma mütterlicherseits hat auch gelesen und sich für Kunst interessiert, aber was genau, weil ich nicht. Sie ist sehr früh gestorben und meine Mama erinnert sich kaum mehr.
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Re: Ernest Hemingway - Fiesta
« Antwort #14 am: 16. September 2011, 14:26:34 »

Ich müsste mal meine Mutter fragen, aber ich glaube nicht, dass sie das noch großartig weiß. Aber einen Versuch wäre es durchaus wert. Schade, dass Opa nicht mehr lebte, als ich anfing, richtig viel zu lesen.
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