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Autor Thema: Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten  (Gelesen 4141 mal)

Jürgen

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Es wird weniger gelesen... TV-Sender unterhalten uns mit billigen Shows rund um abgewrackte Unterhaltungskünstler oder einem Dutzend nicht gerade intelligenter Mitmenschen in einem Container... die Zahl der Analphabeten steigt zunehmend gerade im Bereich der 14 bis 25 Jährigen...

Woran liegt es ? Was sind die Ursachen ?

Gibt es überhaupt ein Rezept, aus dem Land der Dichter und Denker nicht den Verlierer im Globalisierungsprozess zu machen.

Schreibt mal eure Meinung dazu.

Gruss
Jürgen
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lachesis

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #1 am: 19. Februar 2004, 16:28:08 »

Hi,

vielleicht hats am Rande damit zu tun.

Was mit in letzter Zeit immer wieder auffällt, ist, wie sehr sich doch die Moral der "Jugendlichen" geändert hat.  Werte wie Fleiß oder Ehrgeiz gelten nichts. Ganz im Gegenteil. Neulich hab ich einen Studenten gefragt was er so in nächster Zeit vorhat. "Erst mal muss ich sehen ob ich meine Prüfungen schaffe" Ah ja und was wenn Du sie nicht schaffst.  "Naja keine Ahnung dann mach ich halt was anderes. Hat eh nicht soviel Spaß gemacht"   :grmpf:  :grmpf:  :grmpf:  :grmpf:  :grmpf:

Zählt soetwas nichts mehr? Ist es nicht mehr erstrebenswert das Beste aus sich zu machen?

hm wenn ich so drüber nachdenke... Lesen ist anstrengend, jedenfalls anstrengender als sich vor die Glotze zu setzen und "Big brother" reinzuziehen. Vielleicht lesen deshalb so wenige.

Grüßle


PS: Bevor ihr loslegt von wegen erzkonservativ, oder alter Sackl... Ich bin 27!  :smile:
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dyke

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #2 am: 19. Februar 2004, 16:39:41 »

Zitat
wie sehr sich doch die Moral der "Jugendlichen" geändert hat


Wieso hat sich die Moral der Jugendlichen geändert?? Orientieren sie sich nicht eher an der allgemeinen gesellschaftlichen Moral der „Erwachsenen“, die nichts mehr mit der, ihrer eigenen Jugend zu tu  hat.

Was bringt hier noch „Fleiß“?? Wenn da zu alt bist, nützt Fleiß gar nichts mehr, du bist einfach zu teuer, überflüssig.
Warum „Ehrgeiz“?? Was habe ich davon, wenn ich mit Spitzenzeugnissen um einen Arbeitsplatz betteln darf??

Wo sind heute positive Perspektiven, an denen sich die Jugend orientieren kann??  

In der Werbung, Wirtschaft, Politik sitzen doch keine 15-20 Jährige, die sagen, was wichtig und was unwichtig ist oder täusche ich mich??

LG Dyke
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lachesis

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #3 am: 19. Februar 2004, 16:49:39 »

Zitat von: dyke
Zitat
wie sehr sich doch die Moral der "Jugendlichen" geändert hat

Was habe ich davon, wenn ich mit Spitzenzeugnissen um einen Arbeitsplatz betteln darf??


Sorry aber ganz genau das meine ich.
Warum soll ich mich anstrengen, es wird ja eh nix,
die da oben machen ja eh was sie wollen,
keiner akzeptiert mich so wie ich bin,
alles ist so anstrengend,
ich verdiene viel zu wenig Geld.......................

Genau das ist es, was Deutschland da hin geführt hat wo es momentan ist...
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Ronni

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #4 am: 19. Februar 2004, 17:07:19 »

der Verfall der Moral wird seit rund 3000 Jahren beklagt.
Kann die Augenblickliche Situation nicht viel eher an einer Perspektivenlosigkeit gekoppelt mit Überforderung liegen?

Gruß Ronni
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dyke

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #5 am: 19. Februar 2004, 17:07:47 »

Und zum eigentlichen Thema:

Was ist Schrift überhaupt??

Kurzer Rückblick:
Am Anfang war das auswendig aufsagen und lernen, um Informationen festzuhalten, um sie für andere und spätere Zeiten zugängliche zu machen.
Dann kamen die Bilder dazu – Höhlenmalerei, Keilschrift – Hieroglyphen, die immer mehr stilisiert wurden um schneller zu werden.
Und auch sie dienten dazu Informationen festzuhalten, um sie für andere und spätere Zeiten zugängliche zu machen, unabhängig von der Anwesenheit eines Menschen

Damit war Schrift und Lesen über Jahrtausende das Informations-Medium. Das hat sich jedoch im letzten Jahrhundert entscheidend geändert. Es ist möglich ein Geschehen mit bewegten Bildern aufzuzeichnen und Bild und Sprache ist jetzt plötzlich als ein vereintes Informations-Medium möglich, die Schrift und Lesen abzulösen. Auch der Computer trägt seinen Teil dazu bei, denn seine Basis ist ebenfalls nicht die Schrift, wie wir sie kennen.

Wenn ich im Jahre 1900 jede Menge Bücher lesen musste, um mir die Informationen zu beschaffen, die ich wollte, kann dies heute fast ganz ohne Schrift und lesen gehen.

Und wenn wir in die SF (als Extrapolation der Gegenwart) schauen – es geht doch häufig ohne. Bilder werden auf Brillen gesendet, die Schrift dient nur noch für abstrakte Dinge, die (noch) nicht als Bild dargestellt werden können.

Statt zu jammern, was nicht mehr ist, sollte mehr beobachtet und untersucht werden, was jetzt ist, denn

The times, they are a changing

LG Dyke – der immer noch lieber liest, aber mit über 50 sich wohl nicht mehr so sehr ändern wird.
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dyke

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #6 am: 19. Februar 2004, 17:14:38 »

@lachesis

Zitat
Genau das ist es, was Deutschland da hin geführt hat wo es momentan ist...


Wo ist es denn?? Genau da, wo wir "Erwachsene" und die von uns privilegierten "Eltien" es hingeführt haben und nicht die Jugend von heute.

Es ist einfach, nach einem "so-gut-wie-nix-da" etwas aufzubauen, nur das geht nicht ewig. alles hat Grenzen. Nur die wollten wir nicht sehen ud  erkennen. Und die Jugend soll es jetzt für uns tun??

Ganz verstehe ich Dein Posting nicht. Es klingt sehr stark nach "Parteitag".

LG Dyke
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andreas

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #7 am: 19. Februar 2004, 17:29:30 »

Zitat von: lachesis

Was mit in letzter Zeit immer wieder auffällt, ist, wie sehr sich doch die Moral der "Jugendlichen" geändert hat.  Werte wie Fleiß oder Ehrgeiz gelten nichts. Ganz im Gegenteil. Neulich hab ich einen Studenten gefragt was er so in nächster Zeit vorhat. "Erst mal muss ich sehen ob ich meine Prüfungen schaffe" Ah ja und was wenn Du sie nicht schaffst.  "Naja keine Ahnung dann mach ich halt was anderes. Hat eh nicht soviel Spaß gemacht"


Ha, und da habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Jugendlichen mit denen ich geredet habe, hatte klare Vorstellungen und eine bemerkenswert gradlinige (?) Vorgehensweise ihre Zukunft anzupacken. Klar, müssen sie auch. Mit Lücken oder Dauerstudium im Lebenslauf kannst du keinem Arbeitgeber mehr kommen.

Nur um mal Zahlen ins Gespräch zuwerfen:

Zitat
Eine OECD-Studie, die zwischen 1994 und 1998 durchgeführte International Adult Literacy Survey (IALS), ergab, dass in Deutschland 14,4 Prozent der Erwachsenen über 15 Jahren (entsprechend 7,7 Millionen) lediglich das niedrigste Niveau der Lesekompetenz erreichen. Auch wenn sie jahrelang die Schule besucht haben, sind sie nicht in der Lage, den Beipackzettel eines Medikaments zu lesen, einen Fahrplan zu verstehen oder ein Fernsehprogramm zu entziffern. Vier Millionen Erwachsene in Deutschland, so wird von Bildungsexperten des Bundesverbandes Alphabetisierung in Münster im Vergleich zu den OECD-Befunden geschätzt, sind funktionale Analphabeten mit einer unzureichenden Grundbildung. Diese Menschen haben extreme Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags, in sozialen Beziehungen, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und insbesondere mit den Herausforderungen des Informationszeitalters.


Über die Jugend herzuziehen, von wegen Moralverfall usw. bringt nichts da seit eh und je über genau das geredet wird ohne das sich was geändert hätte. Haben nicht schon die alten Griechen über ihre Jugend geschimpft?

Woher haben die Jugendlichen also diese Einstellung zum Lesen oder der Moral? Doch sicherlich von uns Erwachsenen, die ihnen das haarklein vormachen. Kinder werden um des lieben Frieden willens vor die Teletubbies gesetzt; in Familien wird nurnoch fern geschaut anstatt aufeinander usw.

Die Jugendlichen leben in einer Welt die von uns Erwachsenen erschaffen wurde und deren Spiegel sind sie.

Das ist jetzt aber keine Generalamnestie für Jugendliche von wegen:"ich kann nix dafür, ich bin nur das was ihr aus mir gemacht habt" Aber ein bißchen Wahrheit ist da schon dran.

andreas
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Anonymous

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #8 am: 19. Februar 2004, 20:22:26 »

Also mit dem Ansatz:
Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben machen wir es uns doch ein wenig zu einfach.

Einzig das Argument von Andreas
Zitat
Kinder werden um des lieben Frieden willens vor die Teletubbies gesetzt; in Familien wird nur noch fern geschaut ...

ist für mich eine Erklärung, warum dieses Land, das von den meisten Ländern  in punkto schriftstellerische Bildung ( z. B. Goethe-Institut) bewundert wird, so einen steilen Weg in Richtung bodenlose Nichtbildung beschreitet.

War unser altes Schulsystem mit seinen disziplinarischen Instrumenten und dem Hang zur Ordnung wirklich besser ?

Ganz klar NEIN !

Die Welt hat sich geändert, die Jugend hat sich geändert... nur die Lehrer haben davon anscheinend nichts mitbekommen.
Sie halten immer noch an Lehrplänen und veralteten Prinzipien fest... und was noch viel schlimmer ist... sie haben in vielen Fällen ihre Hauptaufgabe, das Unterrichten und das Vermitteln von Lernen, einfach vergessen. Sie verwalten eigentlich nur noch.

Ich sehe unser Dilemma hauptsächlich (nicht nur) im Versagen der Schule und der Lehrkräfte... sie haben resigniert und damit einen Hauptpunkt ihrer Beamtenpflicht verletzt... dem Menschen zu dienen (ich schätze mal, DEN Passus aus dem Beamtengesetz hat ein Lehrer noch nie gelesen oder überhaupt bemerkt).

bis denne
Jürgen
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Sandra

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #9 am: 19. Februar 2004, 20:37:37 »

Hallo!

Boah, kaum ist man mal ein paar Stunden nicht im Netz...

Meine Jugend liegt ja auch noch nicht so lange zurück, und ich hatte mit 14-16 eben diese "Scheißegal Haltung".  Werte waren out, cool sein, kein Interesse an irgendwas zu haben war angesagt.

Wichtig ist vielleicht nicht, wie man in der Jugend war/ist, sondern was aus einem wird.
Allerdings trägt die momentane "hinter-die-Gardinen-schauen" Flut, die im TV gezeigt wird, sicher nicht sonderlich dazu bei, die Jugendlichen zu motivieren.

Warum selber leben, wenn man nur auf einen Knopf drücken muss, und am Leben anderer teilhaben kann. Sei es noch so langweilig.

Gruß Sandra  :smile:
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sandhofer

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einfach
« Antwort #10 am: 19. Februar 2004, 21:02:07 »

Hallo zusammen
Hallo Jürgen
Zitat von: Anonymous
Also mit dem Ansatz:
Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben machen wir es uns doch ein wenig zu einfach.

Stimmt.

Zitat
Die Welt hat sich geändert, die Jugend hat sich geändert... nur die Lehrer haben davon anscheinend nichts mitbekommen.

Wie war das soeben. Von wegen es sich zu einfach machen?

Zitat
Ich sehe unser Dilemma hauptsächlich (nicht nur) im Versagen der Schule und der Lehrkräfte

Auch mit der Einschränkung "hauptsächlich" wird diese Behauptung nicht richtiger.

So schiebt einer die Schuld auf den anderen, meist geleitet von persönlichen Ressentiments. Oder man behält die Schuld, weil auch das ja sehr schön und befriedigend sein kann ...

Grüsse

Sandhofer
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Jürgen

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #11 am: 19. Februar 2004, 22:38:06 »

@sandhofer

Ich mache mir das nicht so einfach, wie du denkst.

Selbstverständlich adaptieren Kinder den Lebens- und Verhaltensstil der Eltern. Ein Narr ist, wer was anderes behauptet.

Ich wollte nur mit einem Beispiel hinweisen, wo noch Probleme und Schwierigkeiten auftauchen.

Natürlich spielen auch wirtschaftliche Verhältnisse, soziales Umfeld und einige andere Dinge eine grosse Rolle und entscheiden, ob ein Kind Interesse für das Lesen und Schreiben aufbringt.

Nur sind m. E. die beiden Faktoren Elternhaus und Schule die WICHTIGSTEN Träger bei der Entwicklung eines Kindes.

Elternschelte hatten wir schon in den Beiträgen davor... die zweite Säule hatte noch niemand erwähnt... deshalb mein Posting.

bis denne
Jürgen
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elahub

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #12 am: 20. Februar 2004, 00:20:09 »

Hallo allerseits

Zitat
Es wird weniger gelesen... TV-Sender unterhalten uns mit billigen Shows rund um abgewrackte Unterhaltungskünstler oder einem Dutzend nicht gerade intelligenter Mitmenschen in einem Container... die Zahl der Analphabeten steigt zunehmend gerade im Bereich der 14 bis 25 Jährigen...


Ist das eine einigermaßen gesicherte Erkenntnis?  Ich habe schon mal in Gesprächen mit meinem Bruder (Soziologe) ähnliche Behauptungen aufgestellt und bin rüde in die Schranken verwiesen worden, jedenfalls, was das "Es wird weniger gelesen" angeht.  Weniger von wem, weniger was, weniger als wann?

In meinem Umfeld habe ich leider nicht den Eindruck, dass wirklich viel gelesen wird, aber auch die Menschen, die nicht viel lesen, sehen sich nicht automatisch die erwähnten Containersendungen an.

Was die Jugend angeht, so habe ich gelernt, dass es ein Zeichen der Jugend ist, sich aufzulehnen, für nichts zu interessieren, den aktuellen Werten keine Bedeutung beizumessen, kurz,  zu rebellieren.


Zitat
In der Werbung, Wirtschaft, Politik sitzen doch keine 15-20 Jährige, die sagen, was wichtig und was unwichtig ist oder täusche ich mich??


Das war doch auch noch nie so, oder?


Zitat
Es ist möglich ein Geschehen mit bewegten Bildern aufzuzeichnen und Bild und Sprache ist jetzt plötzlich als ein vereintes Informations-Medium möglich, die Schrift und Lesen abzulösen.


Wenn ich in meiner Sofaecke sitze und mir Owen Meany zu Gemüte führe, habe ich soviele bewegte Bilder vor mir, die außer mir kein Mensch kennt und die mir auch niemand "einflößen" muss.  Dieses im wahrsten Sinne des Wortes sinnliche Erlebnis möchte ich mir von keinem Medium ablösen lassen  :zwinker:


Zitat
Wenn ich im Jahre 1900 jede Menge Bücher lesen musste, um mir die Informationen zu beschaffen, die ich wollte, kann dies heute fast ganz ohne Schrift und lesen gehen.


Das erinnert mich an Dr. Schiwago, der, in der Stadtbibliothek, mit einem Stapel Bücher vor sich, auf Lara geschaut hat, die ein paar Reihen vor ihm saß, ebenfalls mit einem Stapel Bücher vor sich ...
Ich muss doch auch heute noch zur Informationsbeschaffung Bücher oder wenigstens Internetseiten lesen, wenn ich nicht gerade das Glück habe, dass zu einem bestimmten Thema gerade ein (guter) Dokumentarfilm läuft.


Zitat
Die Welt hat sich geändert, die Jugend hat sich geändert... nur die Lehrer haben davon anscheinend nichts mitbekommen.
Sie halten immer noch an Lehrplänen und veralteten Prinzipien fest... und was noch viel schlimmer ist... sie haben in vielen Fällen ihre Hauptaufgabe, das Unterrichten und das Vermitteln von Lernen, einfach vergessen. Sie verwalten eigentlich nur noch.


Jürgen, hier muss ich Dir ein klein wenig zustimmen, wenn ich auch nicht sicher bin, dass unser oft schlechtes Schulwesen oder auch schlechte Lehrer der Grund für das angesprochene Problem sind.
Aber ich sehe, dass Schule sich tatsächlich nicht geändert hat, die Zeiten aber schon ein wenig  :zwinker:


Zitat
Warum selber leben, wenn man nur auf einen Knopf drücken muss, und am Leben anderer teilhaben kann. Sei es noch so langweilig.


Eben deswegen, weil es langweilig ist !  Das werden doch die meisten irgendwann einmal merken, die Hoffnung gebe ich nicht auf !!  Vor allen Dingen nicht bei jungen Leuten, die eben etwas "erleben" wollen und nicht falsches Leben betrachten.

Zitat
Woran liegt es ? Was sind die Ursachen ?

Gibt es überhaupt ein Rezept, aus dem Land der Dichter und Denker nicht den Verlierer im Globalisierungsprozess zu machen.


Die Ursachen sind die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten heute. Wer Klassiker liest ( :zwinker:  :zwinker: ), wird feststellen, dass die Menschen, die "früher" Muße hatten, sich entweder gegenseitig besuchten oder eben lasen.
Heute gibt es eben viele andere Möglichkeiten, die ja auch Spaß machen können. Ich denke auch nicht, dass das schlecht ist, sondern eben anders.

Trotzdem hat ja Lesen, genau wie jede andere Beschäftigung, einen eigenen Reiz. Ich denke, es kommt darauf an, zu zeigen, wieviel Spaß es macht, dass es eben ein sinnliches Erlebnis ist, dass es uns einen Ruhepol im Tagesablauf ermöglicht, dass die Welt um einen rum versinken kann ... es hat doch soviele schöne Seiten, WIR hier sollten sie doch kennen!!

(An dieser Stelle ein kleiner Dank an Mrs. Rowling, die viele "unserer" Kinder wieder ans Lesen geführt haben soll.)

Lösung? Wie immer das gute Beispiel denke ich - und in Bezug auf Kinder Eigeninitiative in der Schule, wenn die Schule nicht selbst genügend tätig wird.
Bei uns gibt es z.B. Mütter, die einmal die Woche oder so beim "Gassigehen" mal in der Schule vorbeischauen und zu bestimmten Zeiten mit den Kindern (einzeln) lesen. Die werden dann eben für fünf oder zehn Minuten aus dem Unterricht genommen (ist normalerweise in Absprache mit den Lehrern kein Problem).

Von einer Bekannten habe ich gehört, dass es in ihrem Dorf eine Leserunde gibt, die sich irgendwie aus der Kirche organisiert hat. Die Leute treffen sich einmal die Woche für eine Stunde und lesen zusammen, besprechen das Gelesene und machen auch einmal jährlich eine Fahrt oder sowas, letztens nach Weimar, weil das zu irgendeinem gelesenen Goethe passte ....

Lasst uns ein bisschen Phantasie walten lassen:)

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit !!!!  :elch:  :blume:  :blume:

und liebe Grüße

 :winken:

Daniela
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sandhofer

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Wird weniger gelesen?
« Antwort #13 am: 20. Februar 2004, 10:52:42 »

Zitat von: elahub
Zitat
Es wird weniger gelesen... TV-Sender unterhalten uns mit billigen Shows rund um abgewrackte Unterhaltungskünstler oder einem Dutzend nicht gerade intelligenter Mitmenschen in einem Container... die Zahl der Analphabeten steigt zunehmend gerade im Bereich der 14 bis 25 Jährigen...


Ist das eine einigermaßen gesicherte Erkenntnis?  Ich habe schon mal in Gesprächen mit meinem Bruder (Soziologe) ähnliche Behauptungen aufgestellt und bin rüde in die Schranken verwiesen worden, jedenfalls, was das "Es wird weniger gelesen" angeht.  Weniger von wem, weniger was, weniger als wann?

Hallo Daniela!

Tassen hoch auf Deinen Bruder! Das ist es nämlich, worauf ich mit meinem Posting weiter oben hinweisen wollte.

Zitat
Aber ich sehe, dass Schule sich tatsächlich nicht geändert hat, die Zeiten aber schon ein wenig  :zwinker:

Ist es tatsächlich von Gutem, wenn sich 'die Schule' (was und wer immer das sein soll :rollen: ) den Zeiten anpasst?

Zitat
Gibt es überhaupt ein Rezept, aus dem Land der Dichter und Denker nicht den Verlierer im Globalisierungsprozess zu machen.

Diesen Titel hat Deutschland ja nie wirklich verdient. Zur Goethe-Zeit, als Deutschland diesem Ideal am nächsten war, lebten die meisten Bewohner in ärmlichen Verhältnissen, konnten kaum lesen und schreiben, waren - einmal mehr - unschuldige Opfer von Kriegen, bei denen keiner mehr wusste, wer nun mit und gegen wen und warum. (Abgesehen davon, dass Deutschland gar kein Begriff der poitischen Landkarte war.)

Zitat
(An dieser Stelle ein kleiner Dank an Mrs. Rowling, die viele "unserer" Kinder wieder ans Lesen geführt haben soll.)

Hat sie? Mir hat eine Buchhändlerin versichtert, dass unter dem Strich der Verkauf von Kinderbüchern an Kinder gesamthaft nicht markant gestiegen ist. Viele Leser sind Erwachsene, die anstelle des üblichen Thrillers nun einen Potter kauften; in vielen Fällen bekamen die Enkel nun eben einen Potter geschenkt anstelle einer Pippi Langstrumpf.

Zitat
Bei uns gibt es z.B. Mütter, die einmal die Woche oder so beim "Gassigehen" mal in der Schule vorbeischauen

Bei uns ist das Klo in der Wohnung, wir brauchen da nicht raus zu gehen  :breitgrins:  :breitgrins:  :breitgrins:
scnr

Grüsse

Sandhofer
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elahub

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Deutschland - Land der Dichter und Denker oder Analphabeten
« Antwort #14 am: 20. Februar 2004, 15:51:16 »

Hallo allerseits
Hallo sandhofer

Zitat
Hat sie? Mir hat eine Buchhändlerin versichtert, dass unter dem Strich der Verkauf von Kinderbüchern an Kinder gesamthaft nicht markant gestiegen ist. Viele Leser sind Erwachsene, die anstelle des üblichen Thrillers nun einen Potter kauften; in vielen Fällen bekamen die Enkel nun eben einen Potter geschenkt anstelle einer Pippi Langstrumpf.


Ich weiß, wir haben an anderer Stelle darüber schon mal diskutiert, deswegen habe ich extra geschrieben:  "... geführt haben soll"  :zwinker:

Allerdings kenne ich Kinder, die sonst nicht gern lesen, die diese Bücher aber verschlingen.
Ich bin über meine Kinder daran gekommen und liebe sie ebenfalls sehr.

Aber nicht, weil ich sonst Thriller lese (tue ich nicht). Falls tatsächlich ein Erwachsener sich Harry Potter kauft, um mal einen Thrill anderer Art zu bekommen, wird er schwer enttäuscht sein. Selbst wenn immer wieder behauptet sind, die Bücher seien für Kinder zu gruselig, (was ich nicht finde, jedenfalls nicht für 9jährige aufwärts), dann sind sie aber trotzdem keine Erwachsenenlektüre.

 :winken:

Daniela

P.S.:  Bei der Sache mit dem Klo habe ich doch herzhaft gelacht!!!!  :elch:

nochmal Daniela
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