Hallo allerseits
Es wird weniger gelesen... TV-Sender unterhalten uns mit billigen Shows rund um abgewrackte Unterhaltungskünstler oder einem Dutzend nicht gerade intelligenter Mitmenschen in einem Container... die Zahl der Analphabeten steigt zunehmend gerade im Bereich der 14 bis 25 Jährigen...
Ist das eine einigermaßen gesicherte Erkenntnis? Ich habe schon mal in Gesprächen mit meinem Bruder (Soziologe) ähnliche Behauptungen aufgestellt und bin rüde in die Schranken verwiesen worden, jedenfalls, was das "Es wird weniger gelesen" angeht. Weniger von wem, weniger was, weniger als wann?
In meinem Umfeld habe ich leider nicht den Eindruck, dass wirklich viel gelesen wird, aber auch die Menschen, die nicht viel lesen, sehen sich nicht automatisch die erwähnten Containersendungen an.
Was die Jugend angeht, so habe ich gelernt, dass es ein Zeichen der Jugend ist, sich aufzulehnen, für nichts zu interessieren, den aktuellen Werten keine Bedeutung beizumessen, kurz, zu rebellieren.
In der Werbung, Wirtschaft, Politik sitzen doch keine 15-20 Jährige, die sagen, was wichtig und was unwichtig ist oder täusche ich mich??
Das war doch auch noch nie so, oder?
Es ist möglich ein Geschehen mit bewegten Bildern aufzuzeichnen und Bild und Sprache ist jetzt plötzlich als ein vereintes Informations-Medium möglich, die Schrift und Lesen abzulösen.
Wenn ich in meiner Sofaecke sitze und mir Owen Meany zu Gemüte führe, habe ich soviele bewegte Bilder vor mir, die außer mir kein Mensch kennt und die mir auch niemand "einflößen" muss. Dieses im wahrsten Sinne des Wortes sinnliche Erlebnis möchte ich mir von keinem Medium ablösen lassen
Wenn ich im Jahre 1900 jede Menge Bücher lesen musste, um mir die Informationen zu beschaffen, die ich wollte, kann dies heute fast ganz ohne Schrift und lesen gehen.
Das erinnert mich an Dr. Schiwago, der, in der Stadtbibliothek, mit einem Stapel Bücher vor sich, auf Lara geschaut hat, die ein paar Reihen vor ihm saß, ebenfalls mit einem Stapel Bücher vor sich ...
Ich muss doch auch heute noch zur Informationsbeschaffung Bücher oder wenigstens Internetseiten lesen, wenn ich nicht gerade das Glück habe, dass zu einem bestimmten Thema gerade ein (guter) Dokumentarfilm läuft.
Die Welt hat sich geändert, die Jugend hat sich geändert... nur die Lehrer haben davon anscheinend nichts mitbekommen.
Sie halten immer noch an Lehrplänen und veralteten Prinzipien fest... und was noch viel schlimmer ist... sie haben in vielen Fällen ihre Hauptaufgabe, das Unterrichten und das Vermitteln von Lernen, einfach vergessen. Sie verwalten eigentlich nur noch.
Jürgen, hier muss ich Dir ein klein wenig zustimmen, wenn ich auch nicht sicher bin, dass unser oft schlechtes Schulwesen oder auch schlechte Lehrer der Grund für das angesprochene Problem sind.
Aber ich sehe, dass Schule sich tatsächlich nicht geändert hat, die Zeiten aber schon ein wenig
Warum selber leben, wenn man nur auf einen Knopf drücken muss, und am Leben anderer teilhaben kann. Sei es noch so langweilig.
Eben deswegen, weil es langweilig ist ! Das werden doch die meisten irgendwann einmal merken, die Hoffnung gebe ich nicht auf !! Vor allen Dingen nicht bei jungen Leuten, die eben etwas "erleben" wollen und nicht falsches Leben betrachten.
Woran liegt es ? Was sind die Ursachen ?
Gibt es überhaupt ein Rezept, aus dem Land der Dichter und Denker nicht den Verlierer im Globalisierungsprozess zu machen.
Die Ursachen sind die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten heute. Wer Klassiker liest (

), wird feststellen, dass die Menschen, die "früher" Muße hatten, sich entweder gegenseitig besuchten oder eben lasen.
Heute gibt es eben viele andere Möglichkeiten, die ja auch Spaß machen können. Ich denke auch nicht, dass das schlecht ist, sondern eben anders.
Trotzdem hat ja Lesen, genau wie jede andere Beschäftigung, einen eigenen Reiz. Ich denke, es kommt darauf an, zu zeigen, wieviel Spaß es macht, dass es eben ein sinnliches Erlebnis ist, dass es uns einen Ruhepol im Tagesablauf ermöglicht, dass die Welt um einen rum versinken kann ... es hat doch soviele schöne Seiten, WIR hier sollten sie doch kennen!!
(An dieser Stelle ein kleiner Dank an Mrs. Rowling, die viele "unserer" Kinder wieder ans Lesen geführt haben soll.)
Lösung? Wie immer das gute Beispiel denke ich - und in Bezug auf Kinder Eigeninitiative in der Schule, wenn die Schule nicht selbst genügend tätig wird.
Bei uns gibt es z.B. Mütter, die einmal die Woche oder so beim "Gassigehen" mal in der Schule vorbeischauen und zu bestimmten Zeiten mit den Kindern (einzeln) lesen. Die werden dann eben für fünf oder zehn Minuten aus dem Unterricht genommen (ist normalerweise in Absprache mit den Lehrern kein Problem).
Von einer Bekannten habe ich gehört, dass es in ihrem Dorf eine Leserunde gibt, die sich irgendwie aus der Kirche organisiert hat. Die Leute treffen sich einmal die Woche für eine Stunde und lesen zusammen, besprechen das Gelesene und machen auch einmal jährlich eine Fahrt oder sowas, letztens nach Weimar, weil das zu irgendeinem gelesenen Goethe passte ....
Lasst uns ein bisschen Phantasie walten lassen:)
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit !!!!
und liebe Grüße
Daniela