Die Landkarte der Zeit
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Félix J. Palma – Die Landkarte der Zeit
Palma erzählt in seinem Buch gleich mehrere Geschichten. Als erstes von Andrew, der seine Geliebte, eine Prostituierte, an Jack the Ripper verloren hat und sich deswegen auch acht Jahre später schwere Vorwürfe macht. Darum möchte er seinem Leben ein Ende setzen, stilvoll, am Jahrestag und Ort des Geschehens in ihrer kleinen Kammer. Sein Cousin kann ihn zunächst überreden, von seinem Vorhaben abzusehen und eröffnet ihm den Weg, mittels einer Zeitreise das schreckliche Verbrechen zu verhindern...
Zur selben Zeit möchte Claire aus ihrem Dasein ausbrechen. Sie möchte eine emanzipierte junge Frau sein, die sich nicht mit ihrem Schicksal als zukünftige Ehefrau irgendeines reichen Gecken zufrieden geben will. Sie nimmt daher an einer der in London gerade so populären Zeitreisen teil, um dort den Mann ihrer Zukunft zu treffen – denn sie hat sich fest vorgenommen, dass er, der Retter der Menschheit, der einzige Mann sein wird, in den sie sich je verliebt...
Inspektor Garrett wiederum ist Polizist und muss drei merkwürdige Morde aufklären, die eigentlich so, wie sie sich darstellen, unmöglich zu sein scheinen.
Der Stil, in dem diese Geschichten erzählt werden, ist einfach toll.Immer wieder wendet der Erzähler sich an den „geneigten Leser“ um eine kleine Anekdote einzuschieben, so dass man das Gefühl bekommt, man befinde sich in einem Gespräch und sei tatsächlich die Angesprochene. Die Sprache ist sehr gut und verspielt (ich bin aber auch ein sehr wortverliebter Mensch).
Lange Zeit ist man über die Zeitreisen im Unklaren, gibt es sie hier tatsächlich oder ist wirklich alles Lug und Trug? Alles scheint möglich zu sein. Die Aufklärung hätte für mich zwar noch etwas ausführlicher erzählt sein können, ist aber trotzdem gut gelungen.
Über den Inhalt von „Die Landkarte der Zeit“ möchte ich mich nicht weiter auslassen, da ich das Gefühl habe, dadurch zu viel zu verraten. Ich hatte, als ich zu lesen begann, nur eine vage Ahnung vom Inhalt: es sollte um unter anderem um Zeitreisen gehen, einem Lieblingsthema von mir. Der Umgang des Autors mit dem Thema Zeitreise, bzw. dem was tatsächlich möglich oder nicht möglich ist, wechselt im Verlauf der Geschichte und so wurde ich von diversen Wendungen überrascht, was mir sehr gut gefallen hat.
Auch wenn ich vom ersten Eindruck her zunächst überlegt hatte, in welches Genre man das Buch am besten einsortieren könnte, gefällt mir die Kennzeichnung als historischer Roman letztendlich schon am besten. Dem Autor gelingt es, das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen und vor allem seine Darstellung der Gedanken die sich die damalige Bevölkerung über die Zukunft machte, gefiel mir sehr gut. Ansonsten ist das Buch aber eher von einer gewissen Distanziertheit geprägt. So richtig nahe kommt man dann auch keiner der drei Hauptfiguren, Claire, Shakleton und Wells, auch wenn sie durchaus, trotz oder gerade wegen kleiner Schwächen, sympathisch sind. Man hat jedoch immer eher das Gefühl Zuschauer zu sein, als mitten im Geschehen zu stecken. Dadurch ist das Mitfühlen zwar etwas eingeschränkt, die Geschichte selber bleibt aber trotzdem durchgängig interessant.
Der Autor wendet sich zwischendurch immer mal wieder an den Leser, hauptsächlich um seinen eigenen Stil, einen Perspektivwechsel oder ähnlich zu erläutern oder zu kommentieren. Wer so etwas nicht mag, für den ist das Buch leider nichts, auch wenn ich persönlich nur sagen kann, dass es schade ist, diese Geschichte zu verpassen. Idee und Stil haben mir gut gefallen, nur an der Figurenzeichnung hat es etwas gehapert, so dass ich zukünftigen Romanen des Autors bzw. den Übersetzungen seiner älteren Bücher mit Interesse entgegenblicke.


