Tannöd
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
Tannöd ist im realen Leben Hinterkaifeck - ein Ort, an dem vier Erwachsene und zwei Kinder in einer Nacht ihr Leben lassen mussten und der Mörder bisher unerkannt ist. In dem Roman mischt die Autorin Andrea Maria Schenkel den Blickwinkel des Ich-Erzählers und Mörders mit kurzen Berichten der Anwohner des nächsten Dorfes, die allerlei über die eigenbrötlerischen Mordopfer - die Familie Danner und Dienstmagd Marie - zu berichten haben.
Das Buch stand nicht nur wochenlang auf den Bestsellerlisten und wurde mit dem 1. Platz des Deutschen Krimipreises ausgezeichnet. Seit einigen Wochen steht die Autorin auch in dem Vorwurf des Plagiats. Sie habe die Charakterisierung der Figuren von Peter Leuschners Sachbüchern zum Mordfall in Hinterkaifeck übernommen. Die Leser wird dies vermutlich weniger interessieren, haben doch Sachbuch und Roman meist nur wenig gemeinsam.
Es ist eine Geschichte, die Gänsehaut erzeugt. Eine unwahre und doch wahre Geschichte. Andrea Maria Schenkel schafft das, was der Polizei jahrzehntelang verwehrt blieb: Sie entlarvt den Mörder! Sie orientiert sich nahe an den bekannten Fakten, gesteht sich jedoch auch ein gewisses Maß an schriftstellerischer Freiheit zu. Die Autorin braucht keine Schockeffekte mitsamt grausamer Tatbeschreibungen, sie spielt vielmehr mit dem Gruseleffekt, den die Geschichte selbst bietet.
Krimipreise sind immer umstritten und so kann ich auch hier nicht unbedingt den Grund für die Verleihung erkennen. Zwar handelt es sich bei "Tannöd" um ein sicherlich lesenswertes und interessantes Debüt, aber es ist mir ein Rätsel, weshalb um den Roman so ein Wirbel veranstaltet wurde. Weder der Schreibstil ist der Auszeichnung wert noch bruchstückhafte Handlung, die nur ansatzweise am Leben der Tannöder (Hinterkaifecker) teilhaben lässt. Wer sich also wirklich für den mysteriösen Fall interessiert, hat sicherlich genauso viel Gänsehaut wie bei der Lektüre der zahlreichen Webseiten, die sich damit beschäftigen.


