Das riskanteste und schwärzeste literarische Projekt deutscher Sprache, vergleichbar nur mit Die 120 Tage von Sodom des Marquis de Sade. Es ist ein Schrecken ohne Ende. Hiobs Spiel ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf eine unglaubliche Geschichte eingelassen hat - eine Wette um das Schicksal der Welt. Gewinnt er, kann er die Welt retten. Verliert er, fällt sie dem Bösen anheim. Um die Welt vom Bösen zu befreien, muß er ihre entsetzlichsten Schauplätze aufsuchen, muß tief in die Abgründe der menschlichen Existenz hinabsteigen, und er muß auch selbst betrügen, morden, quälen und vernichten. Der Inhalt ist so maßlos wie das gesamte, auf mehrere Bände und fünfzig Jahre angelegte Projekt vermessen. Hiobs Spiel ist ein Romanzyklus der Extreme, der Schrankenlosigkeit, des Absoluten. Das gesamte Arsenal an Genres, Formen und Jargons, das dem Autor während seiner Arbeit an den Texten begegnet, soll in Hiobs Spiel einfließen. Nicht Belletristik, Maletristik nennt Meißner dabei sein Metier, für das er auch beim Schreibprozeß die Schleusen des Verdrängten und Unbewußten öffnet.
Frauenmörder
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
Tobias Meißner hat Großes vor, seine Serie „Hiobs Spiel“ soll sein Lebenswerk werden, alle paar Jahre ist ein weiterer Band geplant. Hauptfigur Hiob spielt ein Spiel mit etwas bzw. jemandem, den man, um nicht in die Tiefen einer vielbändigen Erklärung einzutauchen, kurzerhand als den Teufel bezeichnen könnte. Es ist Hiobs Aufgabe die Welt vom Bösen zu befreien und für jeden Erfolg bekommt er Punkte, wobei eine bestimmte Anzahl Punkte für den Sieg notwendige ist. Sein Verhalten ist dabei ganz gewiss nicht korrekt oder gut und es ist ein wenig wie in einem Western, wo man Gut und Böse nur an der Hutfarbe unterscheiden kann und nicht an ihren Handlungen.
Der erste Band, Frauenmörder fällt alleine durch seine Aufmachung aus dem Rahmen, da die Kapitel teilweise in unterschiedlichen Schrifttypen gesetzt sind oder Effekte eingebaut sind, wie das Abstürzen von Buchstaben aus ihrer Zeile etc., die Gestaltungen erinnern mich daran, wie Schriftgröße, -Farbe, -Typ… in Comics genutzt werden, um den Inhalt zu verstärken. So ist das Buch optisch immer wieder überraschend und war wahrscheinlich ein Albtraum für den Setzer...
Inhaltlich wird der Leser in die Welt Hiobs eingeführt und man sollte den Aufkleber „Explicit Lyrics“, der auf der Vorderseite prangt, nicht als übertrieben ansehen. Tatsächlich war bereits die erste Seite des ersten Kapitels so ziemlich das ekelhafteste, perverseste und schrecklichste was ich jemals zwischen zwei Buchdeckeln vorgefunden habe. Dass ich das Buch im weiteren Verlauf trotz aller Niederungen nie wieder so fürchterlich gefunden habe, lässt mich allerdings überlegen, ob ich nun beim Lesen abgestumpft bin oder ob die Geschichte wirklich etwas zurückhaltender wird. Etwas für schwache Nerven oder Mägen ist nämlich auch der Rest nicht. Dabei sind die Beschreibungen auch in anderen Belangen sehr intensiv und so manches Mal finden sich Neuschöpfungen Meißners, die mich eine Zeile ein zweites Mal lesen lassen, um sie in ihrer ganzen Wortgewalt auf mich einwirken zu lassen. Er beweist ein wirklich unglaubliches Gespür für Sprache und ihren ausdrucksstärksten Einsatz. Aus dieser Kombination ergibt sich eine zugleich mitreißende und tief beeindruckende Lektüre, deren versteckte Vergleiche, Metaphern und Anspielungen genügend Stoffe für eine Wiederholung der Lektüre bieten. Hiobs Geschichte ist natürlich lange noch nicht zu Ende, er hat gerade mal 10% der notwendigen Punkte für den Sieg und so wird der zweite Band sicherlich bald seinen Weg zu mir finden.


