Tiefe Wunden
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
„Tiefe Wunden“ ist ein sehr komplexer Krimi, der die Gehirnzellen beim Lesen stark fordert und damit geradezu zum Miträtseln drängt. Viele kleine und sehr gut verteilte Puzzleteile bieten immer wieder neue Ansätze für den oder die Täter und das Motiv. Viele Hinweise gilt es zu beachten, die Gespräche und Verhöre gut zu verfolgen, um hinter die Hintergründe der Morde zu kommen und eine Verbindung zu den Geschehnissen in der Vergangenheit zu finden. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einen stutzen lassen und zu neuen Überlegungen führen oder auch auf neue Fährten locken, ohne zu ahnen, ob es richtige oder falsche sind.
Nicht gerade einfacher machen es dabei natürlich die vielen Personen, die in der Geschichte vorkommen. Deren Motivationen und ihre Verflechtungen untereinander und mit den Opfern herauszufinden, fordert etwas Konzentration, ist aber auch eine Herausforderung, die sehr viel Spaß macht, vor allem, wenn man gerne Rätsel löst. Mir persönlich hat das richtig gut gefallen und ich habe mir schon lange nicht mehr so viel und so intensiv auch außerhalb der Lesezeit den Kopf zerbrochen, wie bei diesem Krimi.
Und auch wenn ich in einigen Bereichen ein richtiges Gefühl, einen richtigen Ansatz und auch ein paar fast richtige Verdächtigungen hatte, habe ich doch bis zum Ende die Auflösung nicht herausgefunden und wurde mit der Aufdröselung der Personen und der Vorgänge noch richtig überrascht. Das hat mir sehr gut gefallen und ich bewundere jetzt noch die Autorin, dass sie selbst dabei den Überblick behalten und alle Fäden stets sicher im Griff hatte.
Zusätzlich zu dem sehr spannenden Fall, bietet der Krimi aber auch noch einen interessanten Einblick in fast unglaubliche Vorgänge in Verbindung mit der Nazizeit, die ich so bisher nicht erfahren habe und die sehr gut recherchiert und spannend ein unschönes Kapitel der Geschichte in die Gegenwart bringen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch Leser, die normalerweise keine Krimis lesen, mit diesem Buch eine interessante und spannende Lektüre haben können.
Der Krimi ist zwar der Dritte in einer Reihe, aber es ist nicht notwendig, die Vorgänger zu kennen, um mit dem Ermittlerduo klar zu kommen. Die Lebensgeschichten der beiden nehmen auch nicht so viel Raum ein, dass man das Gefühl hat, es fehlt einem dabei etwas, und das Wichtigste bekommt man im Laufe des Krimis auch mit. Beide Personen sind mir sehr sympathisch und ich freue mich schon darauf, noch mehr von ihnen zu lesen. Nele Neuhaus ist auf jeden Fall eine Autorin für mich geworden, deren weitere Bücher ich noch lesen werde.


