Der Duft des Kaffees
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
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Deutschland im Ausnahmezustand: nachdem der Kaffee großer Herstellerketten mit einer Überdosis Koffein vergiftet wurde und zahlreiche Menschen im Krankenhaus gelandet sind, wird nirgends mehr Kaffee verkauft.
Auch der Sohn des Kleinrösters Hans Brioni ist mit Herzrasen ins Krankenhaus eingeliefert worden, und Brioni will unbedingt denen auf die Spur kommen, die seinen Lebensinhalt Kaffee so in Verruf gebracht haben.
Die Jungreporterin Agathe Weidinger hat gerade beim Nachrichtensender D1 angefangen und soll Brioni interviewen, der im Verdacht steht, etwas mit den Anschlägen zu tun zu haben.
Bei seinen Recherchen stößt Brioni auf eine merkwürdige, unter Verschluss gehaltene Studie über die Auswirkungen von Kaffee-Entzug auf die Gesellschaft und einen noch merkwürdigeren "Verein zur Verlangsamung der Zeit", der sich die Abkehr von Hektik und Hetze auf die Fahnen geschrieben hat.
Neben den ziemlich unorthodoxen Ermittlungsmethoden - Agathe ist auf eigene Faust mit einer geklauten Kamera unterwegs, während Brioni von der Polizei gesucht wird - macht die Liebe zum Kaffee den Reiz des Buches aus. Der Autor ist selbst ein passionierter Kaffeegenießer und lässt viel Wissenswertes über Herstellung und Zubereitung wirklich guten Kaffees in die Geschichte einfließen.
Positiv fällt auch auf, dass Agathe keine wunderschöne Superheldin ist, sondern kaum ein Fettnäpfchen auslässt und viele Ecken und Kanten hat.
Der Fall an sich hat sich für mich nicht wirklich zufriedenstellend aufgelöst, aber dennoch ein spannendes Buch, in dem mir besonders die Passagen über den Kaffee gefallen haben.
Hans Brioni mag auf den ersten Blick leidenschaftslos wirken. Der etwas verschrobene Kaffee-Kleinröster legt viel Wert auf Ordnung und korrektes Benehmen. So wirkt er als genauer Gegensatz zu dem "schwarzen Wein des Orients", das seit jeher temperamentfördernd gilt. Doch seine Passion ist genau dieser Kaffee: nicht nur die Zubereitung wird mit allen Sinnen zelebriert, auch der Einkauf der besten Bohnen von Kaffee-Kleinbauern, das Rösten kleiner Mengen nach Bedarf und nicht zuletzt das Verkosten, Genießen, Sinne öffnen. Als Giftanschläge auf die großen Kaffee-Konzerne verübt werden, rückt Brioni schnell ins Rampenlicht - vor allem, als die Polizei Beschwerdebriefe an die Konzerne und ein verstecktes Labor in seiner Kaffeerösterei entdeckt. Gemeinsam mit der D1-Reporterin Agathe flieht er von Berlin nach Wien und wieder zurück: Auf der Spur einer gewagten Verschwörungstheorie.
Gerhard J. Rekel machte sich bereits mit dem Schreiben von Drehbüchern und Theaterstücken einen Namen. In "Der Duft des Kaffees" verarbeitet er die historische Bedeutung des Türkentranks und verknüpft diese mit einem spannenden Krimi, einer faszinierenden Liebesgeschichte und einer brilliant durchdachten Verschwörungstheorie. Der Mix aus diesen Genres macht das Buch zu etwas Außergewöhnlichem, doch allen voran ist es eine Liebeserklärung an ein Getränk, das die Welt veränderte, das Revolutionen ermöglichte. Nebenbei lernt man sogar, Wien mit anderen, nicht-europäischen, Augen zu sehen.
Die Charaktere sind leicht überzeichnet, so dass sie manchmal etwas unecht auf mich wirkten und das Ende geriet Gerhard Rekel sehr gewöhnungsbedürftig, wenn auch nicht unpassend. Ein Punkt, der mich sehr faszinierte: Der Autor legt offensichtlich großen Wert auf hochwertige Kaffees und verknüpft mehrmals die Erwähnung des Fairen Handel mit der Geschichte. Man lernt also nicht nur viel über Kaffee, sondern auch über die moralischen Aspekte des Handels.
Insgesamt also ein ungewöhnliches, ja, wunderbares Buch, vor dessen Lesen ich aber unbedingt eine Warnung aussprechen muss: Ihr Kaffeegenuss wird sich während der Lektüre nicht unmaßgeblich steigern!
Besucherrezensionen
Durchschnittliche Bewertung von: 1 Benutzern
Schön, dass Ihr das Buch hier empfehlt! Ich habe es in einer Nacht ausgelesen, der Duft nahm mich förmlich gefangen. Einerseits ist es ein Krimi, am Beginn gibt es einen Anschlag, der wie eine Erpressung daher kommt. Doch dann war ich erstaunt, wie der Autor raffiniert zwischen den Genres Krimi, Liebesgeschichte, historischer Roman und Politthriller wechselt. Die Geschichte erhält dadurch eine unglaubliche Dynamik. In Wirklichkeit ist das ein Roadmovie, eine abenteuerliche Reise, auf der sich zwei unterschiedliche Charaktere mißtrauen, betrügen und dann doch näher kommen. Beeindruckt haben mich die Passagen in Wien, so habe ich die Stadt an der Donau noch nie gesehen und ich habe nun wirklich Lust, wieder dorthin zu reisen und die alten (hoffentlich gibt es sie noch?) Kaffeehäuser und das türkische Wien mir anzusehen. Ein Buch, das Lust macht auf Lesen, guten Kaffee und verträumte Wintertage. Übrigens: das ideale (Weihnachts-) Geschenk für jede(n) Kaffeefreund(in). Nur die alte Rechtschreibung fand ich irritierend ...


