Der Tribun
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
Der Cherusker Arminius, unter den Römern aufgewachsen und zu Ehren gekommen, gilt als Vertrauter des Statthalters Varus. Obwohl dieser mehrmals eindringlich vor einem Hinterhalt durch die germanischen Stammesfürsten unter Arminius gewarnt wird, schenkt er den Beteuerungen des Segestis keinen Glauben. Als dann jedoch drei Legionen im Feindesland vernichtend geschlagen und Varus wie auch alle seine Männer abgeschlachtet werden, gilt Arminius als Stammesheld. Der Römer Gaius Cornelius Cinna hatte Glück im Unglück, denn er gehörte nicht den drei Legionen an, deren Männer alle den Stammesgöttern als Blutopfer gewidmet waren. So wurde er nur als Geisel von Liuba gefangen genommen, der den stolzen und eigensinnigen jungen Mann seinem Vater Inguiotar, einem Gaufürsten, übergeben. Mehr Knecht als Geisel hadert Cinna mit seinem Schicksal, doch er findet sogar unter den "Barbaren" Freunde. Arminius und Liuba jedoch hassen die Römer und wollen auch Cinna tot sehen.
Das Erstlingswerk "Der Tribun" der deutschen Autorin Iris Kammerer braucht sich nicht hinter Größen wie Tanja Kinkel oder Rebecca Gablé verstecken - eher im Gegenteil. Dem Buch merkt man schnell die sehr gute Recherche an, die spannend verpackt an den Leser gebracht wird. "Der Tribun" verzichtet auf Effekthascherei und unnötige Erklärungen, warum nun ein Charakter auf eine Situation reagiert. Vielmehr vertraut die Autorin auf die Fähigkeit des Lesers, selbst Schlüsse aus der Geschichte ziehen und die Handlungen nachvollziehen zu können. Der Sprachstil ist weder trocken noch schlicht, sondern sehr angenehm und flüssig zu lesen. "Der Tribun" besticht vor allem durch die detaillierte Beschreibung des Alltags der Cherusker und so fließt das Buch oft einfach nur vor sich hin, ohne dass sich die Ereignisse überschlagen. Über mangelnde Spannung kann man sich jedoch nicht beklagen.
Viele Dinge erklären sich leider nicht selbst, doch ich hatte das Glück, dass die Autorin innerhalb einer Leserunde im Bücherforum ihren Lesern Rede und Antwort stand. Dies rückte viele Dinge, wie beispielsweise die Beweggründe mancher Protagonisten, in ein anderes Licht. Das Buch wird angenehm abgerundet durch einen ausführlichen Anhang (Personenregister, Zeittafel, germanische Götter) und ein bestechend schönes Cover. Eine Karte des damaligen Gebietes ist ebenfalls vorhanden, kam bei mir jedoch so gut wie nie zum Einsatz.
Das Ende ist in sich stimmig, man merkt ihm jedoch stark an, dass das Buch der erste Teil einer Trilogie ist. Die Fortsetzung kann man jedenfalls kaum erwarten.
Besucherrezensionen
Durchschnittliche Bewertung von: 1 Benutzern
Ein Römer gerät in germanische Gefangenschaft, muss sich seinen Platz behaupten, was ihm mehr als gelingt - er gewinnt die Familie, die ihn als Geisel gefangen hält, sogar lieb, unter anderem die Tochter des Hauses, die ihm zurück ins Imperium folgt.
Soweit eine recht unaufgeregte Geschichte, aber wunderbar erzählt. Die Fakten um die Varusschlacht und Arminius sind dezent eingewoben und bieten lediglich den stimmigen Rahmen für die eigentliche Geschichte, nämlich die Selbstfindung des Cinna, der, anfänglich eher ein leichtfertiger, arroganter Typ, zu innerer Größe reift. Dabei muss er einiges einstecken und macht nicht immer eine gute Figur - er ist eben ziemlich normal, nicht der überragende Held. Er muss sich schon mal von einem einzigen Gegner an den Haaren durch den Schlamm ziehen lassen und ähnliche Demütigungen aushalten, die er durchaus nicht mit stoischer Gelassenheit erträgt. Auch die Nebenfiguren sind lebensecht gezeichnet, lediglich bei Sunja vermisste ich eine schlüssige Motivation. Sie ist einfach nur da und darf geliebt werden, aber dabei wirkt sie doch recht blass. Da fehlte mir ein wenig die Leidenschaft, die die Autorin aber immer mit poetischen Beschreibungen heraufzubeschwören versuchte.
Und hier lauert der größte Kritikpunkt an dem Roman: die ausladenden Beschreibungen. Da wird jede Handbewegung, jedes Nägelkauen, jedes Fingerkrümmen aufgezählt. Da erfährt man sogar, dass die Fingernägel auf der Haut halbmondförmige Male hinterlassen - ehrlich, so genau wollte ich das nicht wissen, da blieb meine eigene Fantasie auf der Strecke. Weniger wäre hier wirklich mehr gewesen. Trotzdem ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann und gespannt auf die Fortsetzung macht.


