Die Wanderhure
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Offizielle Literaturschock-Rezensionen
Durchschnittliche Bewertung in offiziellen Literaturschock-Rezensionen: 2 Benutzer
Inhaltsangabe (dem Buch entnommen):
Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zur Stadt hinaus treibt. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf ...
Es gibt drei Folgeromane:
- Die Kastellanin
- Das Vermächtnis der Wanderhure
- Die Tochter der Wanderhure
Der erste Satz:
„Marie schlüpfte schuldbewusst in die Küche zurück und versuchte, unauffällig wieder an ihre Arbeit zu gehen.“
Meine Meinung zum Buch:
Lange hat mich eine Geschichte nicht mehr so gepackt. Das Buch spricht die Emotionen des Lesers unmittelbar an – ich habe so mit Marie zusammen alles miterlebt. Das ist wirklich selten, jedenfalls so durchgängig durch ein immerhin 600 Seiten starkes Buch. Eine beeindruckende Leistung der Autoren!
Marie als Hauptperson ist natürlich sehr genau charakterisiert. Ihre Wandlung vom einfachen Bürgermädchen zur Rache fordernden Wanderhure ist damit nachvollziehbar und glaubwürdig. Gut finde ich, dass Marie über keinerlei Wunderkräfte verfügt, auch nicht über irgendein geheimes Wissen, das ihr hilft. Gut, sie kann schreiben und lesen, was für die damalige Zeit vermutlich schon ein Geheimwissen ist, aber das ist alles. Marie schlägt sich aus eigener Kraft durch, nur unterstützt durch mehr oder weniger mächtige Helfer. Auch „leidet“ sie nicht an übertriebenem Edelmut – sie schätzt Situationen realistisch ein und kann entsprechend handeln.
Über Hiltrud, Maries beste Freundin und Beschützerin, hätte ich gerne mehr erfahren. Diese Figur finde ich sehr sympathisch und gelungen. Auch andere Figuren werden oft nur mit einem oder zwei Sätze zu ihrer Vergangenheit beschrieben – bei einigen davon wäre ich an mehr interessiert gewesen.
Die Ereignisse sind teilweise drastisch beschrieben und beschönigen nichts. Auch die ärmlichen Verhältnisse, in denen Marie und Hiltrud leben, werden unverblümt gezeigt. Dies unterstützt auch das Verständnis Maries Entwicklung gegenüber. Wer so lebt, wer solche Dinge erlebt, ist nicht mehr der gleiche Mensch wie früher und kann auch nicht mehr so einfach dorthin zurück.
Das Buch ist flüssig geschrieben und liest sich fast von alleine. Ich hatte das Buch innerhalb weniger Tage gelesen. Wobei ich an diesen Tagen fast nichts anderes gemacht habe, denn wenn man mal angefangen hat, muss man unbedingt wissen, wie es Marie weiter ergehen wird.
Wie ich schon oben sagte, ließ mich Maries Geschichte nicht kalt, sondern ich fieberte mit ihr und drückte die Daumen, dass sie die Rache bekommt, die sie will. Es war ein tolles Leseerlebnis!
Matthis Schärers schöne Tochter Marie hat schon früh ihre Mutter verloren und wird nun unter der strengen Aufsicht ihres Vaters von der Wirtschafterin erzogen. Als der Magister Ruppertus Splendidus um ihre Hand anhält, ist Schärer überglücklich, denn Ruppertus ist der Bastardsohn eines Grafen. Marie jedoch ist skeptisch und fürchtet sich vor der Ehe mit dem Unbekannten und tatsächlich hat es Ruppertus nur auf ihre reiche Mitgift abgesehen und ersinnt einen teuflischen Plan, der die Familie in ihr Unglück stürzt. Marie - von allen verachtet und mit Schimpf und Schande aus ihrer Heimatstadt Konstanz gejagt - wird halbtot von der Wanderhure Hiltrud gefunden. Nach einigem Zögern schließt sich das junge, hübsche Mädchen der erfahrenen Frau an und wird selbst zur Wanderhure, von dem Gedanken an Rache ausgefüllt.
Im Gegensatz zu der Jüdin Lea aus "Die Goldhändlerin" ist Marie anfangs eher eine angepasste, brave, sogar etwas naive Bürgerstochter. Doch das Unrecht, das ihr angetan wird, macht aus ihr im Laufe der Zeit eine starke, junge Frau, die um ihr Überleben zu kämpfen weiß. So meistert sie das Leben als Wanderhure mit Hilfe der sympathischen "Hübschlerin" Hiltrud recht schnell, obwohl sie immer wieder mit ihrem Schicksal hadert und die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit rächen möchte. Marie wird fünf Jahre ihres Lebens von einem fast alles verzehrenden Hass auf ihre einstigen Peiniger getrieben, spart das Geld, das sie von ihren Freier erhält und findet schließlich wieder nach Konstanz zurück.
Ich habe den Eindruck, dass sich Iny & Elmar Lorentz mit jedem Buch steigern. War ich beim Schluß der "Kastratin" noch etwas skeptischer, konnte ich "Die Goldhändlerin" bereits mit vollem Genuss lesen. Doch "Die Wanderhure" schlägt alles in den Schatten! Von der ersten Seite an war ich gefangen in Maries Welt, entwickelte selbst einen unbeändigen Hass auf ihre Peiniger, war fasziniert von der Welt der Wanderhuren, über die man im Verlauf der Geschichte sehr viel wissenswertes erfährt. Einzig sehr zartbesaitete Leser/innen sollten vorgewarnt sein, denn die Handlungen des Buches sind oft sehr grausam, obwohl keine Schandtat zu plastisch erzählt wird und die Geschichte so auch nie "abrutscht".
Iny & Elmar erzählen eine von Anfang an spannende Geschichte in einer so flüssig zu lesenden Sprache, dass "Die Wanderhure" für mich persönlich bereits jetzt zu einem der Higlights des Jahres wurde - und am Ende durfte ich sogar einige Tränchen verschämt aus den Augen wischen.
Besucherrezensionen
Alle Rezensionen ansehenDurchschnittliche Bewertung von: 7 Benutzern
Die Wanderhure ist für mich eine Enttäuschung. Wer sich mit dem Mittelalter noch nie auseinandergesetzt hat muss glauben, dass das beginnende 15. Jhd. vorwiegend aus genitalgeführten Männern und keuschen bzw. rumhurneden Frauen bestand. Die Erniedrigungen der Frauen und die Dialoge in der Handlung werden durch zu kurze spannungsgeladene Ereignisse verknüpft. Ich habe beim Lesen aufgrund von immer wiederkehrenden inhaltlichen Dialogen Seiten überschlagen können ohne den Faden zu verlieren. Aber Gott sei Dank sind die Lesermeinungen so verschieden, dass ich wahrscheinlich mit meiner ziemlich alleine stehe.
Das Buch "Die Wanderhure" von Iny Lorentz gibt einen,meiner Meinung nach nicht allzu guten Einblick, in das Leben im 15.Jhdt. Verpackt in eine Geschichte der geschändeten und entehrten Kaufmannstochter,die ein Leben als Wanderhure fristet,wird ein sehr düsteres Bild des Mittelalters (was es zweifelsohne auch war) dargestellt, das von Vulgarität und Gewaltorgien nur so strotzt. Marie wird nur von ihrer Rache getrieben, darum fehlt es diesem Buch an Tiefgang.
Die Autorin versucht die Geschichte mit historisch zutreffenden Details zu verknüpfen, bei denen ihr peinlicherweise auch noch einige Fehler unterlaufen. Gesamtheitlich gesehen ein ziemlich enttäuschendes Werk.
In dem Buch, die Wanderhure, in der es um ein mittelalterliches Mädchen axgeht, das von ihrem ehemaligem Verlobten so hintergangen und entehrt wird, bleibt nicht viel Möglichkeiten. Entweder ein ehrloses Leben, oder der Tod.
Das Buch war eines der Besten, das ich je gelesen habe. Beim Lesen hatte ich jede Menge an unterschiedlichen Gefühlen, von von Freude, Wut, Enttäuschung bis Traurigkeit und wieder zurück zur Erleichterung. Man hat das Gefühl, selber auf einer Reise zu sein und alle Empfindungen von Marie mitzuerleben und man hofft, dass sie stark bleibt und durchhält. Schade ist nur, das zu wenig von Ihrer Anfangszeit berichtet wurde, denn ich finde, dass es in dem Buch einen zu großen Zeitsprung gibt.
Dieses Buch ist auf jeden Fall weiter zu empfehlen, für jeden, der das Mittelalter und deren Menschen faszieniert. Ich werde auf jeden Fall bald mit dem Vermächtnis der Wanderhure anfangen und dann andere Persönlichkeiten von Iny Lorentz zu entdecken.
Ich bin ein leidenschaftlicher Freund des historischen Romans. Mir hat eine Freundin ganz begeistert von "Die Wanderhure" erzählt, das Buch hat mir überhaupt nicht gefallen. Und zwar aus folgenden Gründen: Zunächst einmal ist die Story und die Intrige, der die reichlich naive Bürgertochter Marie zum Opfer fällt, ausgesprochen unwahrscheinlich, um nicht zu sagen, an den Haaren herbeigezogen. Die Heldin wird zwar zur abgebrühten Wanderhure, aber eine eigentliche Entwicklung macht sie nicht durch und wirkt sehr farblos, so wie es eigentlich allen Figuren an psychologischer Tiefe fehlt.
Selbst einer der schillerndsten Charakteré, die erfahrene Hure Hiltrud erscheint sehr schablonenhaft. Das Gleiche gilt für historische Personen wie Oswald von Wolkenstein oder Eberhard von Württemberg. Der Stil erschien mir oft sehr barock, wobei Altertümlichkeiten wie "Ritter Konrad","Magister Rupprecht" oder "der Keilberger", der "Württemberger" wohl "mittelalterlich" anmuten sollen. Den voyeuristischen Erwartungen der meisten Leser kommt der Roman wohl entgegen, aber anspruchsvollere, kritische, erfahrene Leser werden wohl von einem wirklich guten historischen Roman mehr erwarten, aber de gustibus non est diputandum.
Konstanz im Jahre 1410: Die junge Bürgerstochter Marie soll mit dem Grafen Ruppertus Splendidus verheiratet werden. Für Maries Vater Matthis Schärer scheint das Glück perfekt, doch dann wird die Familie in einen Hinterhalt getrieben, der Marie in tiefes Unglück stürzt. Der angebliche Ehemann hat es nämlich nur auf das Vermögen abgegsehen.
Marie wird fast zu Tode gepeitscht und schließlich im Schandkleid aus der Stadt gejagt. Die Wanderhure Hiltrud findet das junge Mädchen am Straßenrand und pflegt diese wieder gesund. Nun ist Marie allerdings gezwungen selbst als Wanderhure zu arbeiten, um überleben zu können. Doch den Wunsch nach Rache verliert Marie nie aus den Augen ...
Das Buch ist durchgehend spannend gestaltet worden, so dass es schier unmöglich ist das Buch auch nur für einen kurzen Moment wegzulegen. Ich kann diesen Roman wirklich jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen für Historiche Romane interessiert. Auch die nachfolgenden Bücher ("Die Kastellanin", "Das Vermächtnis der Wanderhure" ) sind wirklich empfehlenswert. Die fünf Leseratten sind verdient!


