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Verheißene Erde Hot

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3.0
 
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2027   1  
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Informationen zum Autor

Informationen zum Buch

Verlag
Erstausgabe (D)
1981
Seiten
1048
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Covenant
Originalausgabe
1980
ISBN-10
3426011778
ISBN-13
9783426011775

Sonstiges

Übersetzer
Klappentext: Fünf Jahrhunderte südafrikanische Geschichte: Die ersten Kauffahrer aus Portugal und Holland, Siedler aus Deutschland und England, Hugenotten und Reformierte, Händler aus Indien - sie alle sind die Protagonisten in diesem atemberaubenden Roman. Michener erzählt von den Goldbergwerken der sagenumwobenen Stadt Zimbabwe, vom einträglichen Handel mit Gewürzen und Sklaven, vom "großen Treck", den Burenkriegen und den grausamen Folgen einer ungerechten Rassenpolitik.

Offizielle Literaturschock-Rezensionen

Michener beginnt mit zwei kürzeren einleitenden Kapiteln. Das erste ist um 13.000 v. Chr. angesiedelt und beschäftigt sich mit den Khoisan, das zweite spielt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und bietet einen Blick in das damals noch mächtige Groß-Simbabwe. die folgenden 12 Kapitel spinnen die Geschichte des heutigen Südafrika seit der Gründung Kapstadts als Versorgungsstützpunkt der Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) um 1652 bis zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches 1979.

Das langsame Vordringen der Treckburen von Kapstadt nach Osten ist ebenso Thema wie die Übernahme der Herrschaft durch die Briten, der Zulu-König Chaka und seine Auseinandersetzungen mit dem „Begründer“ der Matabele, Mzilikazi, die Grenzkriege zwischen Weißen und Afrikanern, der Große Treck, der Burenkrieg mit den für Großbritannien wenig schmeichelhaften Konzentrationslagern, in denen die Burenfrauen und -kinder interniert wurden, der klammheimliche Marsch der Afrikaander, der burischen Bevölkerungsminderheit, durch die Instanzen bis zur Regierungsübernahme nach den Wahlen 1948 und der Aufbau des Apartheid-Systems – alles das erzählt Michener rund um die Personen dreier Familien: der van Doorns, der Nxumalos und der Saltwoods.

Michener hat eine ganze Reihe solcher Historienwälzer geschrieben und man muß ihm zugestehen, daß er umfangreich recherchiert und sorgfältig verarbeitet. Daher ist an den Hintergründen der südafrikanischen Geschichte, wie er sie hier an den drei Familien, einer der Buren, einer der Zulu und einer der Engländer, zeigt, im Grunde nichts auszusetzen.

Der Anfang war allerdings etwas zäh, und das aus mehreren Gründen. Zum einen verbreitet Michener sich lang über die VOC und ihre Aktivitäten in Südostasien. Diese waren zwar ausschlaggebend dafür, daß der Versorgungsstützpunkt am Kap der Guten Hoffnung tatsächlich errichtet wurde, aber das hätte es etwas geraffter auch getan. Ähnliches gilt für die Darstellung der Auslöser für die Hugenottenauswanderung, nämlich ihre Verfolgung in Frankreich. Zum anderen sind auch diese Dinge zwar an die Familiengeschichten angekoppelt, aber ein paar Generationen weniger in der Darstellung und ein schnelleres Vorankommen mit der südafrikanischen Geschichte hätte mir persönlich besser gefallen. Nach einem Drittel des Buches war Kapstadt immer noch eine eher unbedeutende Ansiedlung, von anderen Orten gar nicht zu reden – ein Mißverhältnis in der Verteilung.

Wirklich gestört hat mich aber etwas anderes. Auch wenn es sich unzweifelhaft um einen Roman handelt, so verlangt der Anspruch „fünf Jahrhunderte afrikanischer Geschichte“ zu zeigen, doch eine ausgewogenere Darstellungsform. Damit meine ich nicht, daß Michener versucht, die Apartheit zu rechtfertigen, das tut er explizit *nicht*. Im Gegenteil kritisiert er die Freiheitsberaubung aller Nicht-Weißen durch die Apartheitgesetzgebung und das burische Selbstverständnis, Gottes auserwähltes Volk zu sein und in Südafrika doch nur einen Staat nach seinen Vorgaben zu errichten. Dabei wird zwar gepflegt mit dem Neuen Testatment die Hälfte der Bibel ignoriert und auch das Alte Testament gehörig verbogen, aber das sehen die Sturköpfe unter den Buren nicht.

Was ich Michener aber vorwerfe ist eine zu starke Konzentration auf die weiße Bevölkerungsminderheit, egal ob burisch oder englisch. Es kommen zwar Afrikaner vor, aber vorwiegend in dienender Funktion. Sie dürfen zwar intelligent sein, aber über Nebenrollen kommen sie trotzdem nicht hinaus. Und selbst in den letzten Kapiteln, die die Zeit seit dem Ersten oder zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg behandeln, hätten die Widerstandsbewegungen der Afrikaner eine größere Rolle spielen *müssen*. Michener schafft es aber, weder den ANC noch die Umkhonto we Sizwe noch den PAC noch die Inkatha zu erwähnen, auch nicht in Form einiger wichtiger politischer Führer, ob sie nun Nelson Mandela, Oliver Tambo, Robert Sobukwe, Albert Luthuli oder Mangosuthu Buthelezi heißen. Das Sharpeville-Massaker von 1960, das zum Verbot des ANC und des PAC führte, findet nur in einem halben Nebensatz Erwähnung, obwohl die weltweiten Proteste im Anschluß maßgeblich für Südafrikas Austritt aus dem Commonwealth waren. Die Tragödie im Zusammenhang mit den Schüler- und Studentenprotesten 1976, bei denen v. a. Soweto weltweite Bekanntheit erreichte, werden gleichfalls nur vorsichtig angedeutet, was ich aber vielleicht noch gewillt bin, mit der zeitlichen Nähe zum Erscheinen des Buches zu entschuldigen. Angesichts des erreichten Isolationsgrades Südafrikas in der sog. „öffentlichen Meinung“ um 1980 herum, hätte sich Michener mit einer klareren Positionierung und einer größeren Rolle für die Afrikaner in diesen Teilen sicher nichts vergeben, was daher bei mir ein ungutes Gefühl hinsichtlich seiner persönlichen Einschätzungen hinterläßt. Ohne diese Schwachstelle wäre es ein wirklich gutes Buch geworden, aber so muß ich leider erhebliche Abzüge vornehmen.

Gesamtbewertung 
 
3.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
3.0
Von Aldawen 31 März 2010
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Michener beginnt mit zwei kürzeren einleitenden Kapiteln. Das erste ist um 13.000 v. Chr. angesiedelt und beschäftigt sich mit den Khoisan, das zweite spielt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und bietet einen Blick in das damals noch mächtige Groß-Simbabwe. die folgenden 12 Kapitel spinnen die Geschichte des heutigen Südafrika seit der Gründung Kapstadts als Versorgungsstützpunkt der Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) um 1652 bis zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches 1979.

Das langsame Vordringen der Treckburen von Kapstadt nach Osten ist ebenso Thema wie die Übernahme der Herrschaft durch die Briten, der Zulu-König Chaka und seine Auseinandersetzungen mit dem „Begründer“ der Matabele, Mzilikazi, die Grenzkriege zwischen Weißen und Afrikanern, der Große Treck, der Burenkrieg mit den für Großbritannien wenig schmeichelhaften Konzentrationslagern, in denen die Burenfrauen und -kinder interniert wurden, der klammheimliche Marsch der Afrikaander, der burischen Bevölkerungsminderheit, durch die Instanzen bis zur Regierungsübernahme nach den Wahlen 1948 und der Aufbau des Apartheid-Systems – alles das erzählt Michener rund um die Personen dreier Familien: der van Doorns, der Nxumalos und der Saltwoods.

Michener hat eine ganze Reihe solcher Historienwälzer geschrieben und man muß ihm zugestehen, daß er umfangreich recherchiert und sorgfältig verarbeitet. Daher ist an den Hintergründen der südafrikanischen Geschichte, wie er sie hier an den drei Familien, einer der Buren, einer der Zulu und einer der Engländer, zeigt, im Grunde nichts auszusetzen.

Der Anfang war allerdings etwas zäh, und das aus mehreren Gründen. Zum einen verbreitet Michener sich lang über die VOC und ihre Aktivitäten in Südostasien. Diese waren zwar ausschlaggebend dafür, daß der Versorgungsstützpunkt am Kap der Guten Hoffnung tatsächlich errichtet wurde, aber das hätte es etwas geraffter auch getan. Ähnliches gilt für die Darstellung der Auslöser für die Hugenottenauswanderung, nämlich ihre Verfolgung in Frankreich. Zum anderen sind auch diese Dinge zwar an die Familiengeschichten angekoppelt, aber ein paar Generationen weniger in der Darstellung und ein schnelleres Vorankommen mit der südafrikanischen Geschichte hätte mir persönlich besser gefallen. Nach einem Drittel des Buches war Kapstadt immer noch eine eher unbedeutende Ansiedlung, von anderen Orten gar nicht zu reden – ein Mißverhältnis in der Verteilung.

Wirklich gestört hat mich aber etwas anderes. Auch wenn es sich unzweifelhaft um einen Roman handelt, so verlangt der Anspruch „fünf Jahrhunderte afrikanischer Geschichte“ zu zeigen, doch eine ausgewogenere Darstellungsform. Damit meine ich nicht, daß Michener versucht, die Apartheit zu rechtfertigen, das tut er explizit *nicht*. Im Gegenteil kritisiert er die Freiheitsberaubung aller Nicht-Weißen durch die Apartheitgesetzgebung und das burische Selbstverständnis, Gottes auserwähltes Volk zu sein und in Südafrika doch nur einen Staat nach seinen Vorgaben zu errichten. Dabei wird zwar gepflegt mit dem Neuen Testatment die Hälfte der Bibel ignoriert und auch das Alte Testament gehörig verbogen, aber das sehen die Sturköpfe unter den Buren nicht.

Was ich Michener aber vorwerfe ist eine zu starke Konzentration auf die weiße Bevölkerungsminderheit, egal ob burisch oder englisch. Es kommen zwar Afrikaner vor, aber vorwiegend in dienender Funktion. Sie dürfen zwar intelligent sein, aber über Nebenrollen kommen sie trotzdem nicht hinaus. Und selbst in den letzten Kapiteln, die die Zeit seit dem Ersten oder zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg behandeln, hätten die Widerstandsbewegungen der Afrikaner eine größere Rolle spielen *müssen*. Michener schafft es aber, weder den ANC noch die Umkhonto we Sizwe noch den PAC noch die Inkatha zu erwähnen, auch nicht in Form einiger wichtiger politischer Führer, ob sie nun Nelson Mandela, Oliver Tambo, Robert Sobukwe, Albert Luthuli oder Mangosuthu Buthelezi heißen. Das Sharpeville-Massaker von 1960, das zum Verbot des ANC und des PAC führte, findet nur in einem halben Nebensatz Erwähnung, obwohl die weltweiten Proteste im Anschluß maßgeblich für Südafrikas Austritt aus dem Commonwealth waren. Die Tragödie im Zusammenhang mit den Schüler- und Studentenprotesten 1976, bei denen v. a. Soweto weltweite Bekanntheit erreichte, werden gleichfalls nur vorsichtig angedeutet, was ich aber vielleicht noch gewillt bin, mit der zeitlichen Nähe zum Erscheinen des Buches zu entschuldigen. Angesichts des erreichten Isolationsgrades Südafrikas in der sog. „öffentlichen Meinung“ um 1980 herum, hätte sich Michener mit einer klareren Positionierung und einer größeren Rolle für die Afrikaner in diesen Teilen sicher nichts vergeben, was daher bei mir ein ungutes Gefühl hinsichtlich seiner persönlichen Einschätzungen hinterläßt. Ohne diese Schwachstelle wäre es ein wirklich gutes Buch geworden, aber so muß ich leider erhebliche Abzüge vornehmen.

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