Der ärgste Feind der Finnen ist die Melancholie: Trübsal, grenzenlose Apathie. Denkst du an Selbstmord? Du bist nicht allein! - So lautet ein ungewöhnlicher Anzeigentext, der auf überraschend heftiges Interesse stößt. Niemals hätte der gescheiterte Unternehmer Olli Rellonen mit der Existenz so vieler Gleichgesinnter gerechnet, als er beschloss, seinem Leben ein Ende zu setzen. Aus einem zunächst vagen Vorhaben entwickelt sich ein konkreter Plan: Ein Bus wird gechartert, um an einsamer Stelle gemeinschaftlich das Leben zu beenden. Am verabredeten Tag besteigen die unternehmungslustigen Selbstmordkandidaten schließlich guten Mutes das gemietete Gefährt – und starten ihre einzigartige Reise ohne Wiederkehr ... |
Literaturschock.de Rezension(en): Als Olli Rellonen in eine entlegene Scheune auszieht, um seinem Leben ein Ende zu bereiten, trifft er auf Oberst Kemppainen, der gerade dabei war, sich aufzuhängen. Als die potentiellen Selbstmörder erkennen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind, erholen sie sich erst einmal von den misslungenen Versuchen in Rellonens Ferienhaus am See. Dabei kommen sie auf die Idee, eine Zeitungsannonce zu schalten, in der sie nach weiteren Selbstmördern suchen. Die Reaktionen sind überwältigend: Mehr als 600 Zuschriften erhalten die beiden und so rufen sie das wohl erste finnische Selbstmordseminar auf den Plan. Der Gedanke, sich kollektiv und in großem Stil umzubringen nimmt Formen an.
Arto Paasilinna steht im Ruf, schräge Romane zu schreiben. Und was könnte schräger sein als ein Buch über einen Massenselbstmord, in dem der Autor den (Leidens)weg verschiedener Finnen beobachtet, ihre Melancholie und Todessehnsucht deutlich macht? Eigentlich ein sehr ernstes Thema, doch Paasilinna nimmt es mit trockenem Humor. Die finnische Mentalität wird ausführlich - und (vermutlich?) überspitzt - dargestellt. Während der Reise zum stilgerechten Selbstmord treffen die Betroffenen nicht nur auf andere, etwas lebensbejahendere, Finnen, sondern auch auf Deutsche, Franzosen und Schweizer. Auch hier spart der Autor nicht an der überspitzten Darstellung der Eigenarten: Die Deutschen sind nationalistisch, die Franzosen liebestoll und die Schweizer machen Meister Propper Konkurrenz.
Leider gerät auch der Schreibstil sehr trocken, es gibt kaum wörtliche Rede und die ganze Zeit über suchte ich einen Hauptprotagonisten. Zwar spielen Olli Rellonen, Oberst Kemppainen und später Helena Puusaari wichtigere Rollen als die übrigen Personen, herausgearbeitet wurden sie jedoch recht lieblos und erscheinen so die ganze Zeit eher nebensächlich. Oft werden sie sogar nur über ihren Beruf identifiziert. Im Vordergrund der Geschichte steht die Reise der Selbstmörder und wie sich deren Trauer und Hoffnungslosigkeit in Mut, Liebe und Lebenslust wandelt. Die Personen bleiben zweitrangig. Auch das Skurrile, das ein solches Buch ausmachen sollte, wurde oft nur angedeutet. Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, ist trotz der angebrachten Kritik oft witzig und makaber und die Grundidee ist schlicht genial.
Bewertung: 
Literaturschock.de, Susanne K., 2005-04-13
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