David Brin, einer der bedeutendsten SF-Autoren der Gegenwart, wurde 1950 im kalifornischen Glendale geboren. Nach dem Studium der Astronomie war er vier Jahre lang als Ingenieur in der Luft- und Raumfahrtindustrie tätig, setzte dann sein Studium fort und promovierte 1981 mit einer Arbeit über Kometen. Anschließend lehrte er einige Jahre Physik und Astronomie an diversen Universitäten. Während dieser Zeit war er ebenfalls als Berater für die NASA tätig.

Literaturschock: Mr Brin, wenn Sie in den Spiegel und ganz tief in Ihre Seele schauen, was sehen Sie?

David Brin: Einen Affen mit vielen Fehlern und Wahnvorstellungen ... die Idee eingeschlossen, dass wir jede menschliche Generation verbessern können. Niemand wird in den Himmel kommen, wenn er für seine Gedanken verurteilt wird. Wir müssen uns selbst aufgrund unserer Taten beurteilen. Auf dass wir eine bessere Welt hinterlassen.

Literaturschock: Ich weiß, dass Ihnen vermutlich jede erdenkliche Frage wieder und wieder gestellt wurde, aber gibt es irgendeine Frage, die Ihnen noch nicht gestellt wurde, von der Sie es sich aber wünschten?

David Brin: "David Brin, wie konnten Sie nur so unglaublich sexy und überaus gut aussehend werden?"

Literaturschock: Was, glauben Sie, ist das schwerste und das einfachste am Schreiben?

David Brin: Die Zeit zum Schreiben zu finden. Das ist schwer, wenn Du Kinder und einen Beruf, bei dem Du in der Öffentlichkeit Vorträge halten musst, hast. Das Schreiben selbst ist beschämend einfach. Ich sage das, weil ich schon als Ingenieur, Wissenschaftler und Lehrer gearbeitet habe ... jede Tätigkeit davon war schwerer für mich als das Schreiben. Besonders das Lehren.

Bei mir fließen Ideen und Worte und Gefühle wie bei einem Geschichtenerzähler, der in einer Gruppe um ein Lagerfeuer sitzt. Viele Künstler tun so als ob es schwer ist, um den anderen Menschen Ehrfurcht einzuflößen.

Literaturschock: Sie sind sehr an unserer Umwelt interessiert (siehe auch http://www.davidbrin.com/livingplanet.html). Haben Sie eine (vielleicht absolut verrückte oder absurde) Vision, wie jeder von uns die Umwelt besser schützen könnte?

David Brin: Wir müssen alle mehr Science Fiction lesen. Das ist guter Stoff, vor allem in den Romanen von Greg Bear und Kim Stanley Robinson. Die Zukunftsmöglichkeiten, die in diesen Romanen diskutiert werden ... einige dieser Möglichkeiten müssen wir überdenken, um sie mit all unserer Kraft zu verhindern. Für andere Möglichkeiten ist es wert, zu kämpfen.

Literaturschock: Während der Oscarverleihung kam es gestern zu einem Eklat, als Michael Moore George W. Bush in seiner Rede erneut angriff. Die ganze Welt ist gegen diesen Krieg, aber kein Politiker zeigt sich davon beeindruckt. Ich möchte hier keine Politik betreiben, aber ich möchte Sie fragen: Wie fühlen Sie sich zurzeit? Was fühlen Sie?

David Brin: Ich habe keine Bedenken, wenn ich den schrecklich zynischen Fehler korrigiere, den George Bush Sr 1991 machte, als er einen Massenmörder der Hand des Irak überließ. Ich wünsche mir einfach, dass diese Menschen von damals ihren närrischen Fehler der ersten Stunde zugeben würden. Es ist nichts Falsches daran, 23 Millionen Iraker von einem völkermordenden Tyrannen zu befreien. Heutzutage hat die Welt nur einen Rückhalt gegen Männer wie Saddam, und das ist die Pax Americana (amerikanischer Friede).

Die Art, wie Präsident Bush diesen Krieg angeht, finde ich aber befremdlich. Die Gefühle von jedem Bündnispartner niederstampfend, jenen Gefallen einfordernd, den sich Amerika vor 60 Jahren verdient hat, die Westliche Allianz zerstörend und jeden Freund vor den Kopf stoßend, obwohl es so viele leichtere und gewaltlosere Wege gibt, Saddam loszuwerden.

Sicher geschieht das so nach dem Willen des politischen Theaters.

Trotzdem, auch wenn ich diese plumpe und allzu gewalttätige Natur dieser machtvollen Handlung nicht mag, möchte ich den Rest der Welt zum Denken auffordern.

Wenn Sie den Amerikanischen Frieden nicht mögen, geben Sie zuerst zu, dass er besser als jedes vorhergehende Reich ist. Und jetzt (ja!) ist es endlich Zeit, Reiche mit Gesetz zu ersetzen. So etwas wie ein echtes Gesetz für unseren Planet Erde. Kein Gesetz für die Bequemlichkeit der Tyrannen, kein Gesetz, das Rücksicht auf die brutale Behandlung von ihren Untergebenen nimmt, aber ein Gesetz, das Menschen gegen Tyrannen einsetzen können. Lassen Sie uns mit der Unterhaltung beginnen! Denken Sie sich einen Plan aus, der Sklaven wie die Iraker von ihren Monstern, befreit.

Ich werde mit Ihnen daran arbeiten! Viele Amerikaner werden das tun. Aber bis es soweit ist, brauchen Sie den Amerikanischen Frieden. Die Alternativen sind viel schlimmer.

Ich wünschte, der Amerikanische Frieden, würde besser ausgeführt. Gerade jetzt. Mich beschämen gewisse Aspekte, aber viele der Kritiken machen keine Verbesserungsvorschläge.

Und falls die Antwort, die ich Ihnen gegeben habe, nicht in die Schublade "rechts gegen links" passt ... GUT! Die rechts-links politische Linie - die niemand jemals definierte konnte - war der schlimmste Fluch, der durch die Französische Revolution über uns kam. Sie verkrüppelnd das vorurteilsfreie Denken. Jeder, der sich selbst auf dieses dumme Modell versteift, spielt keine Rolle in der erwachsenen Unterhaltung über das Retten der Welt.

Entschuldigen Sie, ich habe mich hinreißen lassen. Sie sehen, dass wir durch die Scienc Fiction lernen, über Hunderte von Jahren zu denken. Es ist Zeit, damit aufzuhören nur über das Jetzt nachzudenken. Zeit, darüber nachzudenken, wie die Welt in der Zukunft regiert werden soll. Diese Unterhaltung muss beginnen und sie muss Wege enthalten, alle Menschen von Tyrannen zu befreien.

Viel Glück für Sie ... und jeden von uns!

Literaturschock: Vielen Herzlichen Dank, Mr. Brin! Es war sehr nett, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.

Buch des Monats

Susanne Gerdom
Queen of Clouds


Monatstipp

Susanne Gerdom schafft hier wieder einmal eine wunderbar abwechslungsreiche und phantasievolle Geschichte, die aber auch den Gedanken und Ideen der Leser noch Platz für eigene Interpretation und Weiterentwicklung bietet.

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Kategorie: Gegenwartsliteratur
Autor: John Grisham
Verlag: Heyne
Erstausgabe (D): 2003

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