21. Jahrhundert
2002 in Dak-Lak (Vietnam) - religiöse Bücher
In der Provinz Dak-Lak werden immer wieder evangelische Pastoren verhaftet, Kirchen geschlossen, Kirchenmobiliar beschlagnahmt und Gottesdienste durch die Behörden verboten. Die Verbote gelten selbst dann, wenn die Gottesdienste im familiären Rahmen stattfinden. Wie die
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte berichtet, werden Berufsverbote gegen evangelische Lehrer ausgesprochen, kommunistische Agitatoren treten in kirchlichen Räumlichkeiten mit Schmähreden gegen Christen auf, und religiöse Bücher werden öffentlich verbrannt.
Anfang 2001 in Indonesien - als links geltende Literatur,
Comics und ein Werk Khalil Gibrans
In Indonesien fand zu dieser Zeit eine Reihe von "Sweepings" ("Fegefeuer") genannten Verbrennungen von als links geltender Literatur, japanischen Comics,
Popmusik-CDs, aber auch von Khalil Gibrans Gedichtband Chicken Soup statt. Sie entsprangen studentischem Protest gegen sinkendes Ausbildungsniveau, wie auch fundamentalistischem westliche Vorstellungen negierendem Moralismus.
März 2001 in Neu-Delhi (Indien) - moslemische
Schriften durch Hindus
Anfang des Monats verbrannten in Neu-Delhi ungefähr 200 Hindus
Kopien des Korans. Die Verbrennung der moslemischen heiligen Schrift
sollte Protest und Vergeltung sein gegen die Zerstörung der alten
buddhistischen Statuen in Afghanistan durch das Taliban Regime. Von
den Taliban wurde auch eine zwei Jahrhunderte alte massive Buddha
Statue der Provinz Bamiyan zerstört.
März 2001 in Asheville (USA) - Joanne K. Rowlings "Harry
Potter, weitere Kinderbücher
Während eines book burning Gottesdienstes der amerikanischen christlichen Harvest Assembly of God im März 2001 wurden Schallplatten u. a. von
Foreigner, AC/DC, Bruce Springsteen, Einkaufsbeutel voll Bücher, Videos, etwa von Harry Potter - Kinderbüchern oder Disney Videos wie Pinocchio und Herkules den Flammen überliefert.
Dezember 2001 in Alamogordo (New Mexiko) - Joanne K. Rowlings
"Harry Potter"
Das Kinderbuch über Harry Potter, das Waisenkind, das gegen dunkle Mächte ankämpfen muss, während es die Hogwarts Hochschule für Zauberei
besucht, wurde vom Pastor der "Christ Community Church" verbrannt. Die in
dem Buch enthaltene Magie verteufelten die strengen Christen. Die
Bevölkerung allerdings protestierte gegen die Bücherverbrennung unter anderem mit Adolf-Hitler-Verkleidung.
2000 in Griechenland - Mimis Androulakis "m hoch n"
Der bekannte griechische Schriftsteller Mimis Androulakis schrieb ein Buch zum Thema Frau als solche und ihre Sexualität. Das Buch heißt 'm hoch n'. Es beschreibt eine globale Diskussion in einem fiktiven Internet-Forum. Alle Beiträge stammen von Frauen aus aller Welt, deren Vornamen mit M beginnen. Unter anderem kommt auch die biblische Maria Magdalena zu Wort, was man dem Autor so übel nahm, dass sein Buch in Thessaloniki offiziell verbrannt wurde! Seither ist es in aller Munde, ist Thema in Diskussionssendungen, in Zeitungsartikeln, bei Kirchenansprachen des orthodoxen Oberpopen. Die Strafe für die Gesundbeter: Für das kleine Griechenland hat das Buch inzwischen astronomische Verkaufszahlen erreicht.
20. Jahrhundert
1999 in China - Falun-Gongs religiöse Schriften
Im Rahmen Vorgehens gegen die Falun-Gong-Sekte haben die chinesischen Behörden Hunderttausende Bücher, Kassetten und Videobänder der Bewegung beschlagnahmt oder zerstört. In den Städten Tianjin und Wuhan seien über 200.000 Bücher verbrannt
worden. In einer offiziellen Anordnung hieß es, Druck, Kopien und Verbreitung von Material zu Falun Gong sei verboten, jede derartige Veröffentlichung werde sofort beschlagnahmt. Zugleich warben die Behörden für wissenschaftliche Bücher, um den Botschaften von Falun Gong etwas entgegenzusetzen. In Pekinger Buchhandlungen wurden Regale mit Titeln zu Medizin, Astronomie, Geographie und Biologie gefüllt.
1989 im Iran - Salman Rushdie "Die satanischen Verse"
Am 14. Februar 1989 rief der iranische Religionsführer Ayatollah Khomeini die muslimischen Gläubigen dazu auf, den Schriftsteller Salman Rushdie umzubringen. Sein neuer Roman Die Satanischen Verse (1988) sei ein gotteslästerliches Werk, das den Propheten Mohammed verunglimpfe und die Offenbarung des Korans zu einem literarischen Mythos degradiere. Rushdies Buch wurde öffentlich verbrannt, seine Verleger und Übersetzer waren Verfolgung und Anschlägen ausgesetzt. Seit diesem Mordaufruf, der "Fatwa", ist Salman Rushdie ein weltweit bekannter, aber gleichzeitig auch der am meisten isolierte Autor. Zugleich gilt er aus "westlicher" Sicht als Symbolfigur für den Kampf um die Freiheit des Wortes. Bis 1998, als der iranische Präsident Chatami die "Fatwa" zumindest offiziell zurücknahm, musste Rushdie in ständig wechselnden Verstecken leben.
1933 - 1938 in Deutschland - Verbrennung von mehr als 20.000
"undeutscher" Werke
Am 10. Mai 1933 warfen die Nationalsozialisten und ihre Anhänger auf dem Opernplatz in Berlin und vielen anderen deutschen Universitätsstädten rund 20.000 Bücher als "undeutsch" geltender Autoren wie Karl Marx, Heinrich Heine, oder Sigmund Freud ins Feuer. Diese Aktion erfolgte ebenso in Berufung auf die Bücherverbrennung während des Wartburgfestes.
Zu den lebenden und später auch verfolgten Autoren gehörten u.a. Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Felix
Hollaender, Leonard Frank, Erich Kästner (der unerkannt in der Menschenmenge zusehen muss), Alfred
Kantorowicz, Alfred Kerr, Adam Kuckhoff, Heinrich Mann, Thomas Mann, Walter
Mehring, Robert Musil, Ernst Erich Noth, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Joseph Roth, Nelly Sachs, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Fritz von Unruh, Franz Werfel.
Viele Schriftsteller und andere Künstler und auch Wissenschaftler erhielten in der Folge Arbeitsverbot oder entziehen sich weiteren Verfolgungen durch die Emigration.
19. Jahrhundert
1817 in Deutschland auf dem Wartburgfest - Verbrennung mehrerer
"undeutscher" Werke
Auf dem Wartburgfest am 19. Oktober 1817 bildet die Bücherverbrennung in Anwesenheit von 600 Burschenschaftern einen erklärten Höhepunkt. Anlässlich des 200. Reformationsjubiläums in Berufung auf Luthers Bücherverbrennung sowie des vierjährigen Siegestages über Napoleon werden symbolisch mehrere Dutzend als reaktionär, antinational und undeutsch eingestufter Bücher, darunter Werke des August von Kotzebue, Karl Leberecht Immermann, die "Germanomanie" des jüdischen Schriftstellers Saul Ascher, sowie den Code Napoléon den Flammen übergeben.
15. und 16. Jahrhundert
1562 in Italien - Pomponazzi
"Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele)
Papst Leo X. verurteilte Pietro Pomponazzis' "Tractatus
de immortalitate animae" ("Abhandlung über
die Unsterblichkeit der Seele") von 1516. Es
wurde öffentlich verbrannt. Pomponazzi wies in seinem
Werk die Unsterblichkeit der Seele als unhaltbar zurück.
1521 in Deutschland - Schriften Martin Luthers
In Löwen, Lüttich, Köln und Mainz wurden 1520 Luthers Schriften von papsttreuen Gläubigen verbrannt. Vor dem Reichstag in Worms verteidigte Luther 1521 seine Thesen und verweigerte erneut deren Widerruf. Aus diesem Grund kam es zum "Wormser Edikt": Gegen Luther wurde die Reichsacht verhängt, seine Lehre verboten.
10. Dezember 1520 in Deutschland - katholische Schriften
Nach einem Aufruf Melanchthons werden vor den Toren der Stadt Wittenberg Bücher
des päpstlichen Rechts und der scholastischen Theologie verbrannt. Die
"Summa theologica" von Thomas von Aquin und der "Sentenzenkommentar"
von Duns Scotus entgehen den Flammen, da der Organisator der Bücherverbrennung
(wahrscheinlich Johannes Agricola) davon keine Exemplare auftreiben konnte.
1497 in Florenz - Werke des Ovid und andere
1497 verzehrten die Flammen des von Girolamo Savonarola gepredigten "Freudenfeuers der Eitelkeiten" pornographische Schriften, obszöne Bilder, heidnische Bücher, Glücksspiele, Kosmetik, Kopien von Boccaccios Decamerone und alle Werke des Ovid, die in Florenz gefunden werden konnten. Girolamo Savonarola
wurde später selbst Opfer der Inquisition.
0. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
475 im römischen Reich - Bücher des Nestorius
475 wurde die Bücher des Nestorius nach einem Edikt Theodosius II. als häretisch verbrannt.
448 im römischen Reich - nichtchristliche Bücher
Theodosius II. befiehlt alle nichtchristlichen Bücher zu verbrennen.
328 in Alexandrien - Schriften des Aruis
Die Schriften des Arius und seiner Schüler wurden auf Befehl von Konstantin
I. nach dem Konzil von Nicäa als häretisch beschlagnahmt und verbrannt. Auf den Besitz seiner Schriften wurde die Todesstrafe gesetzt.
Bücherverbrennungen v. Chr.
Die Bibel schildert eine Bücherverbrennung, mit der bestimmte Kirchen und Christengruppen bis zur Gegenwart ihr gewaltsames Vorgehen gegen abweichende Meinungsdarstellungen verglichen und begründet haben: "Viele aber, Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren und kamen aus fünfzigtausend Silbergroschen". (Apostelgeschichte 19,19 ) Die spektakuläre Aktion zeichnete sich offenkundig durch eine gewisse Freiwilligkeit aus.
47 v. Chr. oder 640 n. Chr. - Die Bibliothek von Alexandria
Über das Ende der Bibliothek von Alexandria existieren mehrere Versionen: Lange Zeit ging man aufgrund spätrömischer Zeugnisse davon aus, dass sie während der alexandrinischen Kriege durch Julius Caesar 47 v. Chr. abgebrannt worden sei, als dieser die im Hafen liegenden ptolemäischen Schiffe in Brand setzte. Eine andere Version besagt, dass die Bibliothek 640 n. Chr. bei der Eroberung von Alexandria durch die Araber zerstört wurde, in der Absicht, jegliche Konkurrenz zum islamischen Glaubensbekenntnis auszuschalten.
213 v. Chr. in China - Philosophische Schriften
Der chinesische Kaiser Shih Huang Ti griff im Zuge der Reichseinigung zu rigorosen Maßnahmen. So wird auch die Vielfalt widerstreitender philosophischer Schulen abgeschafft und verboten. Lediglich die staatstragende Philosophie wird gebilligt. 213 v. Chr. wurden die Bücher aller anderen Schulen verbrannt.