Ruth Prawer Jhabvala Ruth Prawer Jhabvala wurde 1927 in Köln als Tochter polnisch-jüdischer Eltern geboren. Im Jahr 1939 emigrierte die Familie nach England. 1951 heiratete sie den indischen Architekten C. S. H. Jhabvala, mit dem sie anschließend in Indien lebte. Ihre Situation als mit einem Inder verheiratete Europäerin im Heimatland ihres Mannes bildete den Ausgangspunkt für ihr schriftstellerisches Schaffen. Erfahrungen aus dem Familienalltag und ihrer Umgebung verarbeitete sie in ihren geistreich geschriebenen, kulturübergreifenden Sittenromanen und zeigte dabei auch die verbliebenen Einflüsse des Kolonialismus auf die indische Gesellschaft der Gegenwart auf. Für ihren Roman "Heat and Dust" (1975; "Hitze und Staub", siehe Abbildung) wurde sie mit dem Booker-Preis ausgezeichnet. Sie beschreibt darin die Erfahrungen einer jungen Engländerin im modernen Indien und kontrastiert diese mit der Liebesbeziehung, die die erste Frau ihres Großvaters in den zwanziger Jahren mit einem indischen Adligen unterhielt. Der Roman wurde von James Ivory und Ismail Merchant verfilmt. Mit den beiden hatte Jhabvala bereits lange Zeit als Drehbuchautorin zusammengearbeitet, u. a. bei dem erfolgreichen Film "Shakespeare Wallah" (1973) und bei Adaptationen der Romane "A Room with a View" ("Zimmer mit Aussicht"), "A Passage to India" ("Reise nach Indien") und "Howards End" ("Wiedersehen in Howards End") von E. M. Forster.
Neben ihren acht in Indien angesiedelten Romanen, darunter "To Whom She Will" (1955; "Amrita und Hari"; auch: "Die Liebesheirat"), "Esmond in India" (1958), "The Householder" (1960) und "A Backward Place" (1965), schrieb Jhabvala auch einen Roman ("In Search of Love and Beauty", 1983) über das Leben deutsch-jüdischer Emigranten in den Vereinigten Staaten, wo sie sich 1975 niedergelassen hatte. Heute lebt sie als amerikanische Staatsbürgerin in New York. Ihre Kurzgeschichten füllen insgesamt sieben Bände; eine Auswahl in deutscher Übersetzung erschien 1989 unter dem Titel "Eine Witwe mit Geld. Erzählungen aus Indien". Wie in ihren Romanen, kontrastiert sie auch in ihren Kurzgeschichten kulturelle Aspekte und moralische Auffassungen verschiedener Lebenswelten. |